"Aufschrei der Milchbauern"
Erna Feldhofer, seit wenigen Tagen Obfrau der IG-Milch, über die Lage auf den Bauernhöfen: "Wenn die Agrarpolitik nicht sieht, wo der Wurm drin ist, dann sehe ich meine Aufgabe darin, zu sagen, dass man da was ändern muss."

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Die IG-Milch, deren Obfrau Sie sind, gilt als Rebellenorganisation, weil sie gegen die bestehende Agrarvertretung antritt. Verstehen Sie sich als Rebellin?
ERNA FELDHOFER: Ich bin eigentlich keine Rebellin. Aber ich werde dann zu einer, wenn ich merke, es geht ungerecht zu.
Warum sind Sie bei der IG-Milch?
FELDHOFER: Ich versuche, auf Dinge aufmerksam zu machen, die falsch laufen. Wenn ich sehe, wie die Situation draußen auf den Höfen ist, wenn ich sehe, dass jeden Tag zwei Höfe mit der Milchproduktion aufhören, dann ist das für mich Grund genug, darauf aufmerksam zu machen. Wenn die Agrarpolitik nicht sieht, wo der Wurm drin ist, dann sehe ich meine Aufgabe darin, zu sagen, dass man da was ändern muss.
Bekannt wurde die IG-Milch durch den Milchstreik 2008. Da hat es viele Konsumenten verstört, dass einige Landwirte auch Milch weggeschüttet haben. Kann man nur so agieren?
FELDHOFER: Der Milchstreik war eine letzte Möglichkeit, ein Aufschrei der Milchbauern, dass etwas geschehen muss. Es ist traurig genug, dass ein Bauer so weit gehen muss.
Wie kann es den Milchbauern wieder besser gehen?
FELDHOFER: Man muss die politischen Rahmenbedingungen ändern. Wenn nicht bald etwas geschieht, dann fährt das ganze System an die Wand.
Was wollen Sie anders machen als Bauernbund und Kammer?
FELDHOFER: Wir müssen offen und ehrlich mit der Problematik an die Öffentlichkeit gehen und mit den Konsumenten reden.
Das sagen andere auch. Wo ist da der Unterschied?
FELDHOFER: Wir wollen direkt zu den Konsumenten. Mir gefällt der Satz: "Jede Kuh in deinem Stall hat den Wert von zehn Stunden Marketingarbeit." Würde sich das jeder Bauer zu Herzen nehmen, wäre viel bewegt. Unser Ziel ist ein guter Milchpreis für die Bauern, damit kein Betrieb mehr aus wirtschaftlichen Gründen zusperren muss. Auch ein Betrieb, der nur zwei Kühe hat, soll leben können.
Mit zwei Kühen ist bei uns keine Existenz möglich. Allein, wenn man an den Transport so kleiner Mengen Milch denkt, da müssten die Konsumenten für die Milch vier oder fünf Euro zahlen.
FELDHOFER: Es soll für eine Arbeitskraft die Möglichkeit geben zu sagen: Da hab ich ein bissel was davon.
Was ist ein bissel was? Wie viel an Förderung muss es da gaben?
FELDHOFER: Was verdient eine Frau, die halbtags arbeitet? So ein Einkommen soll sie mit zwei oder drei Kühen auch haben.
Features
IG-MILCH
Verein. Gegründet als Gegenmodell zu den herkömmlichen Agrarverbänden, Kammern und Lobbys. Österreichweit rund 4000 Mitglieder.
Erna Feldhofer. Obfrau der IG-Milch. Geboren 1970, Bäuerin in Miesenbach bei Birkfeld. Der Hof ihres Ehegatten Alois liegt in 820 Meter Seehöhe. 40 Milchkühe bedeuten ein Kontingent von 300.000 kg Milch.









