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Zuletzt aktualisiert: 25.05.2012 um 21:03 UhrKommentare

"Heute bin ich einmal ein Rallye-Fahrer"

Autofahrer sein. Dieser Traum wurde einer Gruppe Blinder und Sehbehinderter mithilfe des Steiermärkischen Blindenverbands in bei einem Fahrsicherheitstraining in Ludersdorf bei Gleisdorf erfüllt.

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Helga Zenz blutet noch heute das Herz, wenn sie an ihren Mercedes 180 c denkt. Denn er steht für eine Zeit ihres Lebens, in der noch alles hundertprozentig war. Sehen, unabhängig sein, niemanden um Hilfe bitten. Heute, acht Jahre später, trägt sie über ihrer geblümten Bluse eine gelbe Schleife, auf die ein schwarzes Männchen samt Blindenstock gedruckt ist, und dazu eine Sonnenbrille - "für die Kontraste". Helga Zenz verfügt nur noch über zehn Prozent ihres Sehvermögens. Aber sie lächelt. Denn an diesem Tag wird für drei Runden alles wie früher sein.

Die 56-Jährige sitzt mit einer Mischung aus Freude und Wehmut am Steuer eines weißen Seat Leon am ARBÖ-Fahrsicherheitszentrum in Ludersdorf bei Gleisdorf. Beifahrer ist Instruktor Robert Pail, der in dem steuerbaren Fahrschulauto alles im Griff hat. "Darf ich fragen, wie viel Sie noch sehen?" Eine ungewöhnliche Einstiegsfrage für einen Fahrschullehrer. An diesem Tag jedoch normal, wenn man bedenkt, dass sich die Fahrer der Reihe nach mit ihren Blindenstöcken zu den Autos vortasten. Blind oder sehbehindert sein und trotzdem einmal das Lenkrad in der Hand halten und die Pedale unter seinen Sohlen fühlen. Fahrer sein ohne Bei-, wenn oder aber.

Ein Rollenwechsel, den der Steiermärkische Blinden- und Sehbehindertenverband in Zusammenarbeit mit dem ARBÖ einer Gruppe Blinder und Sehbehinderter am Freitag ermöglicht hat. Oder kurz: "Die Erfüllung eines Kindheitstraums", wie Ben David Jost, Obmann des Verbandes, am Rand der Strecke sagt. Aber nicht nur Träume werden erfüllt, auch Missverständnisse ausgeräumt. Zum Beispiel, dass man als Fußgänger schon einmal zaudert, wenn ein Auto zu knapp heranfährt. Oder, dass sich auf nasser Fahrbahn der Bremsweg verlängert. Alle diese Situationen wurden nachgestellt. Am meisten imponierte jedoch das Fahrerlebnis. Theresia Hafner ist von Geburt an blind. "Aber ich war immer davon überzeugt, dass ich den Führerschein mache. Mit 21 habe ich ihn dann gemacht. Den Kinderwagerlführerschein", sagt die lebenslustige zweifache Mutter vor der Fahrt. Nach der Fahrt ist das Kinderwagerl vergessen. Zumindest PS-technisch, außerdem sind die Kinderlein bereits 21 und 25 Jahre alt. "Selbst einmal Gas geben, ist ein tolles Gefühl." Auch Richie ist entzückt. "Heute bin ich einmal ein Rallye-Fahrer." An diesem Tag waren sie das alle.

CARMEN OSTER

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