AvW:"Werden weiter verkaufen"
Der größte Vertreiber von AvW-Genussscheinen hält zur Firma. AvW-Aktie macht unterdessen Kurssprünge von 100 Prozent plus an einem Tag.
Bei eBay würde einer wie er "Power Seller" heißen. Bei der AvW ist er einfach der Hans, genauer der Hans Linz aus Krottendorf bei St. Martin am Grimming in der Steiermark. Kein Ort, an dem man die Weltfinanz vermutet, aber Linz hat über seine Finanzberatungsfirma mit 14 Mitarbeitern an über 3500 Kunden AvW Genussscheine verkauf und so für die AvW 130 Millionen Euro lukriert. Neben der Provision dankte man es ihm mit einem Vorstandsposten bei der AvW Invest, den er bis zum Vorjahr innehatte.
Besorgte Kunden. Jetzt laufen ihm die Kunden von einst die Tür ein und lassen sein Handy keine Sekunde ruhen. "Warum wurde uns nicht gesagt, dass die AvW die Genussscheine nicht zurückkaufen muss?", lautet der regelmäßige Vorwurf. Linz überlässt die Antwort lieber seinem Geschäftsführer Christian Schwab: "Das stand in der Hochglanzbroschüre so drinnen." Aber machten die Berater, die das Produkt vertrieben, auch ausreichend auf diesen Schönheitsfehler aufmerksam? Ausweichende Antwort: Die Mitarbeiter seien fortwährend geschult worden. "Zuletzt noch am 8. Oktober in meinem Wirtshaus", ergänzt Linz.
AvW-Aktienkurs steigt steil. Gebrochen hat man mit AvW im Hause Linz noch nicht. Schließlich sei das ja "ein gutes System". Gemeinsam mit den jährlichen Gewinnen sei das der Grund gewesen, ab 2001 nur mehr AvW-Genussscheine als Einmal-Wertanlage zu vertreiben. Eine Streuung, wie sie jeder Anlageexperte empfiehlt? "Die nimmt ja die AvW für die Kunden vor, außerdem haben die auch Lebensversicherungen und andere Produkte", meint Schwab. "Und wenn sich das Ganze als harmlos herausstellt, werden wir auch sicher wieder AvW-Genussscheine verkaufen", kündigt Schwab an.
Verkauft. Geschäfte ganz anderer Art betreibt AvW-Chef Wolfgang Auer von Welsbach. Zwischen dem 24. und dem 30. Oktober verkaufte er 6508 AvW Invest-Aktien zu einem Gesamtpreis von 70.885 Euro. Beim gestrigen Kurs von rund 45 Euro wären die Aktien knapp 293.000 Euro wert gewesen. Wer hier eine Schleuderaktion vermutet, könnte Recht haben. Der Schaden geht nämlich zu Lasten von AvW-Genussschein-Inhabern.
Investiert. Offen ist allerdings wer nach allen Vorkommnissen in den vergangenen Tagen über eine Million Euro in die AvW-Aktien investierte. Ein "Squeeze Out"-Verfahren, bei dem die AvW letzte verbliebene Aktionäre auskaufen will, ist bei der Wiener Börse vorerst noch nicht angemeldet. Voraussetzung wäre das Halten von 90 Prozent der Aktien.







