Hier wird Integration wirklich gelebt
Mátáys Hilcz kam 2009 aus Ungarn nach Koglhof und wurde eingeschult, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Mittlerweile spricht er gut Deutsch und ist im Klassenverband voll integriert.

Foto © PRIVATMátyás Hilcz (links) mit Klassenkameraden
Die Volksschule Koglhof ist eine kleine Schule. 35 Schüler besuchen derzeit die Schule, die mit drei Klassen geführt wird. Die ersten beiden Klassen werden gemeinsam unterrichtet, während die dritte und vierte Klasse als eigenständige Klassen geführt werden. Dennoch haben diese beiden Schulstufen teilweise gemeinsamen Unterricht. Direktorin Rosa Weingartmann erklärt, warum: "Wir sind zwar dreiklassig, aber mit verminderter Stundenanzahl. Das heißt, dass wir weniger Stunden zur Verfügung haben. Deshalb werden zum Beispiel in Turnen oder Musik die Klassen zusammengezogen."
Dank der niedrigen Schüleranzahl können sich die Lehrerinnen intensiv den einzelnen Kindern widmen. Diese Strukturen ermöglichen auch eine gut gelungene Integration von Mátyás Hilcz, einem Buben aus Ungarn, der vor zwei Jahren mit seinen Eltern nach Rosegg zog und eines Tages im Mai in die dritte Klasse der Volksschule nach Koglhof kam, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen.
Matti, wie er von seinen Schulfreunden heute genannt wird, erinnert sich noch ganz genau an seinen ersten Tag. "Es war ein Mittwoch und wir waren in Birkfeld bei der Kinderpolizei", erzählt er. Auf die Frage, wie er sich damals verständigen konnte, hebt er Hände und Beine. "Mit Hand und Fuß", sagt er. Wenngleich ihm ein Akzent anzuhören ist, verständigt sich heute Matti schon gut und versteht alles, was man ihn fragt.
Das war zu Beginn natürlich ganz anders. Da Mátyás damals erst am Ende des Schuljahres nach Österreich kam, wiederholte er die dritte Klasse. Margarete Sommerauer, die an der Volksschule unterrichtet und nicht weit entfernt von der Familie wohnt, lernte den Sommer über mit Mátyás und seiner Schwester Deutsch. Nach dem Sommer kam Matti dann in seine heutige Klasse.
Fragen und verbessern
Im Klassenkreis erinnern sich er und seine Mitschüler an die Anfangszeit zurück. "Wir haben ihm immer etwas vorgesprochen und er hat es dann nachgesagt", meldet sich Manuel Kasper. Klassenlehrerin Wilhelmine Reitbauer erklärt: "Wir haben im Klassenkreise immer wieder besprochen, wie wir Mátyás am besten helfen können, damit er möglichst schnell Deutsch lernt." So seien seine Mitschüler animiert worden, ihm viele Fragen zu stellen und ihn auch zu verbessern, wenn er Fehler macht. Mátyás wurde so schnell ein unverzichtbarer Teil der Klasse. "Er ist ein sehr aufgeschlossener und hilfsbereiter Junge", sagt Reitbauer. Dadurch sei eine rasche Integration einfach gewesen.
Ob die Kinder im Gegenzug auch Ungarisch gelernt haben? "Er sagt oft ,Kusch' beim Spielen", erzählt Christian Heil. "Das heißt ,Halt den Mund', erklärt Matti schmunzelnd. "Haschisch ist auch ein ungarisches Wort", meldet sich Simon Stadlhofer zu Wort." "Das ist nicht ungarisch, sondern eine Droge", rufen die anderen Kinder lachend.
Im Klassenkreis kommen alle zu Wort. Die sieben Jungs der Klasse sind sich einig: Matti ist ein cooler Bursche, mit dem man viel Spaß haben kann. Seine Sprachkenntnisse sind kein Thema. Die Mädchen erzählen, dass er sie zwar manchmal ärgere aber generell sehr hilfsbereit sei. Als die Klassenlehrerin meint, sie lege Wert darauf, dass alle Kinder ihre Meinung sagen dürfen, meldet sich Simon nochmals zu Wort: "Ich will auch die Meinung zu meiner Meinung sagen. Ich finde den Matti einfach cool." So einfach kann Integration sein.









