Binder-Chef Grabner: Riesenphantasie und "schlaue Börsen"
Spezialmaschinen für den Rohstoff-Sektor. Das ist das Gebiet in dem die Binder + Co Ag arbeitet. 2006 ging das Unternehmen an die Wiener Börse. Es ist vor allem die Freiheit, die Vorstand Karl Grabner an der Börse schätzt. Kein Eigentümer, der sich einmischt.

Foto © Fuchs
Die Augustsonne scheint auf eine Baustelle in Gleisdorf. Die Binder & Co AG errichtet hier ein neues Bürogebäude. Karl Grabner trägt ein Lächeln auf dem Gesicht – noch ist die Halbjahresbilanz nicht präsentiert worden, doch er kennt das Ergebnis bereits: Umsatz und Ebit sind um mehr als 30 Prozent gestiegen. Gerade nach den jüngsten Turbulenzen sind das wichtige Kennzahlen für ein börsennotiertes Unternehmen.
Warum sind Sie gerade an die Wiener Börse gegangen?
Karl Grabner: Es gab bei Binder + Co nie die Überlegung auf einen anderen Börseplatz zu gehen. In Österreich haben wir eine gewisse Bekanntheit. Hier sitzen auch unsere größten Investoren. Und man muss auch sagen, dass die Leute dort uns sehr gut betreut haben.
Vor der Finanzkrise galt die Wiener Börse als wichtigster Finanzplatz Osteuropas. Hat Wien diesen Ruf inzwischen eingebüßt?
Grabner: Wien hatte mit Osteuropa schon eine Art ?Riesenphantasie“. Die Chance der Wiener Börse liegt in meinen Augen darin, mit hoher Beratungskompetenz zu punkten. Denn die Konkurrenz ist groß.
Die Wiener Börse hat sich nach der Krise nicht wirklich erholen können und gehört auch bei den jüngsten Turbulenzen zu den größten Verlierern. Was ist ihre Erklärung dafür?
Grabner: Vergleicht man die Wiener Börse mit anderen Finanzplätzen, so ist die Gesamtkapitalisierung doch eher gering. Und das könnte ein Grund für diese Schwankungen sein.
In den vergangen drei Jahren hat sich der Kurs ihrer Aktie praktisch verdoppelt. Woran liegt das?
Grabner: Wir haben ja Analysten, die unser Unternehmen regelmäßig durchleuchten. Die schreiben dann meist positive Beurteilungen und geben einen Referenzkurs aus. Wenn nun aufgrund der Nervosität die Kurse wieder fallen, hat das primär nichts mit dem Unternehmen zu tun.
Mit was sonst?
Grabner: Die Börse ist in gewisser Maßen schlau. Die preisen jetzt bereits zukünftige Entwicklungen ein. Unser Geschäft hängt von Investitionen ab und wenn die Anleger glauben, dass sich die Wirtschaft verlangsamen wird, dann wird das auch uns treffen - halt rund ein Jahr später.
Warum sind sei dann an der Börse?
Grabner: Naja die Börse hat schon etwas positives. Wenn ich heute 20 Millionen Euro brauche, kann ich mit etwas Aufwand eine Kapitalerhöhung planen und ich bin mir sicher, die Eigentümer würden mitziehen. Ein zweiter Punkt ist, dass wir unser Spiel spielen können. Ein fixer Eigentümer würde irgendwie versuchen, uns ins Lenkrad zu greifen.
Werden sich die jüngsten Verwerfungen an den Märkten auch auf die Realwirtschaft auswirken?
Grabner: Wir haben das ja im Jahr 2008 schon einmal erlebt. Damals haben wir geglaubt, dass alles nur Einbildung wäre, was sich auf den Börsen abgespielt hat. Nach einem Jahr hat sich der Auftragsstand pro Quartal mehr als halbiert. Und wir haben gemerkt, dass sich etwas geändert hatte. Mit dieser Erfahrung glaube ich, dass sich die jüngsten Turbulenzen an den Börsen durchaus auf die Privatwirtschaft auswirken werden - nur um ein halbes bis ein Jahr verzögert.








