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Zuletzt aktualisiert: 06.10.2010 um 20:16 UhrKommentare

Erfolgreich das Gleisdorfer Geld vergraben

Im "Wohnzimmer" des Gleisdorfer Museums im Rathaus lauschten Interessierte den Geschichten von Altbürgermeister Franz Nussmayr.

Kaum zu glauben, dass Gleisdorf einmal wirtschaftliches Schlusslicht war, die Kanalisation weit hinter anderen Städten hinterherhinkte und man krampfhaft versuchte, dieses "Handelszentrum" auf Vordermann zu bringen. Außer man erfährt dies aus erster Hand, von Altbürgermeister Franz Nussmayr, der 25 Jahre lang die Geschicke der Solarstadt leitete.

Im Museum im Rathaus kam es zu einem Stelldichein der besonderen Art: Nussmayr traf sich mit einer Schar interessierter Bürger (darunter auch Bürgermeister Christoph Stark), um über vergangene Zeiten zu plaudern.

Hinten nach

"Gleisdorf war keine Behördenstadt und keine Industriestadt - wir hatten ja ?nur' die Firma Binder vor Ort. Wir mussten uns fragen: Wo stehen wir und wie packen wir es an", so Nussmayr. Aus dem Publikum bezeichnete eine Stimme das Gleisdorf dieser Tage gar als "Kaff", dem viele den Rücken gekehrt haben, wenn sie einkaufen gehen wollten.

Diesen Zustand konnte die Gemeinde und allen voran der Bürgermeister natürlich nicht auf sich sitzen lassen, so wurde zuerst die Kanalisation - das größte Thema in der Zeit von Franz Nussmayr - angepackt. "Sie waren wahrscheinlich der Gleisdorfer Bürgermeister, der am meisten Geld eingegraben hat", schmunzelte Historiker Siegbert Rosenberger. Sein Engagement wurde aber nicht von allen Bewohnern goutiert. "Als ich in gewissen Vierteln Kanal- und Straßenbauarbeiten durchführen wollte, haben mich die Leute teilweise alles geheißen, nur keinen Menschen." Dennoch habe er sich nicht unterkriegen lassen.

Sonntagsausflug

Ein weiterer großer Schritt war die Gründung des regionalen Entwicklungsverbandes. "Als wir 13 Bürgermeister damals zu Waltraud Klasnic gefahren sind, dachte sie anfänglich, wir hätten einen ?Sonntagsausflug' gestartet, erst nach einiger Zeit haben alle gemerkt, dass man etwas erreichen kann, wenn man sich zusammenschließt" ,so Nussmayr. Ebenso hielt auch die erneuerbare Energie in seiner Ära Einzug.

Zum Ende der Gesprächsrunde wurden dann auch die lustigen Geschichten ausgepackt. Da erinnerte man sich an ehemalige Regionalreporter, die behaupteten, sie hätten ein Aufnahmegerät unter Nussmayrs Ehebett versteckt. Außerdem erzählte Franz Nussmayr von den unglaublichen Strafen, die er in seiner Zeit als Bürgermeister bezahlen musste: "Einmal musste ich einige Hundert Schilling zahlen, weil bei einer Veranstaltung ein Trompetenbläser statt erlaubten 79 Dezibel 82 Dezibel gespielt hat, und ich derjenige war, der die Veranstaltung genehmigt hat." Mittlerweile kann er darüber lachen.

KATHARINA ZIMMERMANN

ZUR PERSON

Franz Nussmayr kam 1970 in den Gemeinderat der Stadt Gleisdorf, ab 1973 war er Stadtparteiobmann der SPÖ.

1975 wurde der Jurist Bürgermeister.

2000: Rückzug aus der Politik und dem Berufsleben.

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