Aus Schülern werden Schwämme
Schule kann auch spannend sein. Und zwar so spannend, dass Schüler sogar nachmittags freiwillig in der Schule bleiben, um zu diskutieren.
Wenn Schüler der Oberstufe freiwillig den gesamten Nachmittag in der Schule hocken, dann muss schon etwas ganz Besonderes im Gange sein. Die unverbindliche Übung Politische Bildung im Gleisdorfer Gymnasium zum Beispiel.
An diesem Nachmittag sind es der Bezirksinspektor Karl Färber aus Gleisdorf und Klaus Starl vom Grazer Zentrum für Menschenrechte und Demokratie, die für Diskussionsstoff sorgen. "An sechs Nachmittagen laden wir im Rahmen der unverbindlichen Übung interessante Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft ein, um zu referieren und den Stoff für Gespräche mit Tiefe zu liefern," erklärt Edith Mittl, eine der zwei Organisatorinnen.
Die Themen, die dabei aufs Tapet kommen, sind so aktuell wie lebensnah. Da wird zum Beispiel einmal das gesamte Farbspektrum der Politik eingeladen, mit Profis über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise diskutiert oder es werden die Chancen und Risiken der Nanotechnologie erläutert. Mitmachen kann jeder Oberstufenschüler, der ein Quantum Interesse an politischen und gesellschaftskritischen Themen besitzt. Darunter ist die noch 15- jährige Michelle Ulz ebenso wie der 16-jährige Leonard Schellauf oder der 15-jährige Christian Rauch.
Alle passen sie auf wie die Haftelmacher, aber nicht, weil sie danach geprüft werden könnten, sondern weil sie gewappnet sein wollen für die Diskussion, die ihnen bevorsteht. "Ich interessiere mich dafür, wie Politik läuft und was in der Welt und vor allem in Österreich so vor sich geht. Ich möchte etwas dazulernen und für die Zukunft mitnehmen", sagt Christian Rauch.
Lauter Schwämme
Die Luft ist schwer von Ausdrücken wie Verhältnismäßigkeit, Präventivschutz, Rassendiskriminierung und Menschenrechte, doch all das wird von den 20 neugierigen Jugendlichen aufgesogen wie von einem Schwamm. Nach dem Vortrag teilen sie sich in zwei Kleingruppen auf, von denen jede einen Experten zugeteilt bekommt. Dann rauchen nicht nur die Köpfe, sondern auch die Mundwerke. "Wie wird man Polizist?" "Welches Menschenrecht wird wann verletzt?" "Wie verhält man sich in brenzligen Situationen?" Nirgends ein Hauch von Müdigkeit, obwohl die meisten wahrscheinlich schon seit bald zehn Stunden in der Schule sind.
"Die Motivation ist wahrscheinlich auch deshalb so groß, weil das Fach eine Abwechslung zum restlichen Schulalltag bildet. Hier kann man sich eine Meinung bilden und kommt zusätzlich noch mit anderen Altersstufen zusammen. Auch diejenigen, die sich nicht immer einbringen, nehmen auf jeden Fall etwas mit nach Hause," so Mittl. Reizvoll sei vor allem die Möglichkeit, vom Auswendiglernen wegzukommen und sich selber eine Meinung zu bilden. "Bei vielen beobachten wir auch, dass sie über ihre eigenen Grenzen hinauswachsen," sagt Mittl.
Dass Politische Bildung eigentlich jetzt schon ein großer Erfolg ist, hält die Organisatorinnen Edith Mittl und Marianne Ofner allerdings nicht davon ab, schon an die Zukunft zu denken. "Wir wollen auch einmal aus der Schule heraus, einer unsere Pläne ist, an einem Workshop am Landtag teilzunehmen," erklärt Ofner.
Doch das ist noch Zukunftsmusik. In der Realität setzen sich die 20 Schüler nach den hitzigen Diskussionen wieder auf den Tischen in U-Form zusammen und erzählen einander, wie es in der Kleingruppe war. Und obwohl der Tag lang und die Konzentrationsspanne langsam doch am Ende war, freuen sich die Jugendlichen beim Heimgehen doch schon wieder auf die nächste Sitzung unter dem klingenden Motto "Uns gehört die Welt".
Features
POLITISCHE BILDUNG
Die unverbindliche Übung Politische Bildung findet am Gleisdorfer Gymnasium sechs Mal im Jahr statt.
Teilnehmen können alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die sich für gesellschaftspolitische Themen interessieren.
Zurzeit nehmen 20 Schülerinnen und Schüler an der unverbindlichen Übung teil.
Nähere Informationen unter
www.gym-gleisdorf.ac.at.







