Aus Ohnmacht wurde eine Hilfsaktion
Kurz vor dem verheerenden Erdbeben wurden María José Fuentealba und Georg Gratzer in Chile getraut. Nun sammeln sie Spenden.
Es kam daher wie ein ganz normales SMS. "We are safe, uns ist nix passiert." Und doch brachte diese Nachricht am Morgen des 27. Februar die Welt der gebürtigen Chilenin María José Fuentealba, die mit ihrem Mann Georg Gratzer in Floing lebt, ins Wanken. Erfuhren die beiden doch per SMS von Gratzers Bruder, der gerade in Chile urlaubte, von dem verheerenden Erdbeben nahe der Stadt Concepción.
"Es war ein Schock. Wir sind sofort zum Internet und Fernseher gelaufen. Und haben versucht, alle zu erreichen", erzählt Fuentealba. Von ihrer großen Familie und ihren Freunden, die sich teilweise auch im am stärksten betroffenen Gebiet aufhielten, erreichte sie zunächst aber nur eine Schwester. "Sie war, als es passiert ist, ganz in der Nähe des Tsunami-Gebietes, aber zum Glück in einer unterirdischen Disco", so Fuentealba. Erst nach zwölf Stunden hatte sie ein Lebenszeichen von all ihren Lieben.
Die desaströsen Folgen des Erdbebens der Stärke 8,8 und des dadurch ausgelösten Tsunamis offenbarten sich ihr aber erst nach und nach. "Viele Städte sind komplett zerstört, die Menschen haben gar nichts mehr. Die Dörfer an der Tsunami-Küste sind komplett verschwunden. Das kann man sich gar nicht vorstellen", sagt Fuentealba.
Vor allem nicht, wenn man, wie sie und ihr Mann vor nicht einmal eineinhalb Monaten genau dort gewesen ist, in den schmucken Dörfern am Strand, die es heute nicht mehr gibt, zu Abend gegessen und in der nahen Stadt Talca, die ebenso schwer getroffen wurde, geheiratet hat.
"Zuerst waren wir wie ohnmächtig und haben nicht gewusst, wie wir helfen können", sagt Fuentealba. Dann aber hat sie mit ihrem Mann einen Hilferuf als Rundmail an Freunde und Bekannte geschickt. "Nach einer Woche hatten wir schon 630 Euro beisammen", sagt sie.
Geld für Heim
Auch ihr Arbeitgeber, der Casinospielgeräte-Anbieter Atronic in Unterpremstätten, sicherte ihr umgehend finanzielle Unterstützung zu und rief auch die weltweit etwa 500 Mitarbeiter des Konzerns zum Spenden auf. "Wir haben ein Konto eingerichtet und freuen uns über jede Spende. Auch fünf Euro können schon helfen", sagt sie.
Das Geld geht an die Einrichtung des Pfarrers Padre Rafael, der Fuentealba und Gratzer in Chile getraut hat. Dieser betreibt ein Heim für 250 arme Studenten, die ohne seine Hilfe nicht studieren könnten. 150 dieser jungen Menschen haben nun kein Dach mehr über dem Kopf, auch viele ihrer Familien haben alles verloren. In einem ersten Schritt sollen nun fünf Übergangsunterkünfte errichtet werden, für die 2700 Euro benötigt werden. Bis zum Juni/Juli, wenn in Chile der Winter beginnt, will man aber richtige Häuser errichtet haben. "Die Zeit drängt", sagt Fuentealba, die darauf hofft, dass sich die Menschen hier ähnlich solidarisch zeigen wie die Chilenen, die seit dem Beben rund um die Uhr am Wiederaufbau arbeiten. "Wer nichts spenden kann, kann vielleicht von unserem Anliegen erzählen. Auch das hilft uns sehr", sagt Fuentealba.








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