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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2012 um 20:16 UhrKommentare

Das Phänomen auf der Alm

Immer wieder dienstags, da pilgert man auf die Alm. Im Sommer zieht die Latschenhütte auf der Teichalm werktags die Menschenmassen an - mit teilweise extrem langer Anreise.

Voll, voller, Latschenhütte. An ganz normalen Dienstagen ist das Lokal regelmäßig bummvoll. Und: Viele Gäste kommen von weit, weit her

Foto © MandlVoll, voller, Latschenhütte. An ganz normalen Dienstagen ist das Lokal regelmäßig bummvoll. Und: Viele Gäste kommen von weit, weit her

190Kilometer sind es von Wien auf die Teichalm, 60 von Krieg-lach und Graz und immerhin noch 40 von Leoben. Von überall dort und vielen anderen Orten pilgern Menschen im Sommer Woche für Woche zur Latschenhütte auf die Teichalm. Nichts Besonderes? Nun, zum Ansturm kommt es nicht, wie vielleicht erwartet, am Wochenende und womöglich am Tag. Nein, seit über 20 Jahren geht ausgerechnet am Dienstagabend die Post ab.

Es ist in etwa 19.30 Uhr und ein ganz normaler Dienstag. Von Partystimmung ist auf der Latschenhütte (noch) nichts zu merken. Im Gegenteil: Beim Hinfahren kommen einem sogar Leute entgegen und sorgen für noch mehr freie Parkplätze. Gäste, die den Wandertag in der Almhütte ausklingen lassen, machen sich auf den Heimweg. Von einer Menschenschlange am Eingang zur "LaHü" - die liebevolle Abkürzung der Gäste wurde mittlerweile zum Markennamen - ist noch keine Spur. "Das wird schon noch", meint ein Türsteher. "Das ist jede Woche so." Er sollte er recht behalten.

Später strebern

Von Minute zu Minute wird es voller und spätestens um 21 Uhr wird das Parkplatzsuchen zur Nervensache. Ist morgen vielleicht doch ein Feiertag, weil so viele Leute unterwegs sind? "Heute gehört die Nacht uns", sagen zwei junge Damen. Und wie schaut es mit der Arbeit am Mittwoch aus? Es sind Studentinnen, zwei von vielen, die es im Sommer auf der Teichalm richtig krachen lassen. Strebern würden sie auch im September noch können.

Da sagt ein Kellner, dass es erst um 22 Uhr so richtig losgeht. Was? Noch mehr Leute? Offenbar hält auch das zusehends schlechter werdende Wetter niemanden ab. Kalt wird einem - trotz kühler Almluft - unter so vielen Leuten aber ohnehin nicht. "So etwas gibt es in ganz Österreich kein zweites Mal", meint ein Gast aus Wien, der auch nicht zum ersten Mal da ist. "Ich komme seit Jahren immer wieder und es ist jedes Mal eine Riesengaudi."

Aber worin liegt der Reiz, eine so lange Autofahrt auf teils schlechter Straße auf sich zu nehmen? Gibt es wochentags nicht auch andere Lokale, die vielleicht weniger im Abseits liegen? Keiner kann es erklären, man fahre einfach hin. Gegen 1.30 Uhr lässt die Stimmung dann aber langsam nach. Vier Stunden Schlaf sollen es dann doch sein, wenn man am nächsten Tag in die Arbeit muss.

MARTIN MANDL

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