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Zuletzt aktualisiert: 08.05.2011 um 19:17 UhrKommentare

Gesellen auf der Walz

Auffallend sind sie, die beiden Herren, die selbst bei der Arbeit eine auffallende Tracht tragen. Sie sind um die halbe Welt gereiste Wandergesellen, die derzeit in Birkfeld sind.

Robert Lettner (links) und René Jacobs sind genau drei Jahre und einen Tag auf der Walz - sie reisen und arbeiten dabei auf der ganzen Welt

Foto © PrivatRobert Lettner (links) und René Jacobs sind genau drei Jahre und einen Tag auf der Walz - sie reisen und arbeiten dabei auf der ganzen Welt

Zwei junge Männer in Tracht auf der Reise von Deutschland über Korsika und Italien in die Oststeiermark. Eine Urlaubsreise? Mitnichten! René Jacobs und Robert Lettner sind Wandergesellen auf der Walz, also Handwerker, die durch die Welt ziehen, um Erfahrungen zu sammeln. Wie der Deutsche Jacobs (27), ein Spengler, und der Oberösterreicher Lettner (26), die derzeit in Birkfeld arbeiten.

Wie sie dazu kamen? "Ich hörte einen Vortrag und war sofort Feuer und Flamme", erzählt der Dachdecker Lettner. Jacobs Mutter war stolz auf ihren Sohn, als sich der Zimmerer für diesen Berufsweg entschied. "In Deutschland sind Wandergesellen ein Begriff. Man weiß, das sind fleißige Leute", so Jacobs. Als der Abschied kam, war es mit der Freude der Mutter schnell vorbei, darf doch ein Wandergeselle drei Jahre und einen Tag seine Heimat in einem Umkreis von 50 Kilometer nicht betreten.

Wie wird man ein rechtschaffener fremder Geselle? "Es gibt Gesellenabende, dort kann man um Aufnahme bitten." Die Aufnahmekriterien: Man muss Handwerksgeselle sein, darf weder Schulden noch Vorstrafen haben, nicht durch Frau oder Kinder gebunden und nicht älter als 30 sein. Wird man aufgenommen, kauft man sich eine Kluft und wird man von einem Gesellen ins Wanderleben einführt. Das Gepäck ist spärlich: Schniegelkluft, Waschzeug, Werkzeug und Schuhputzzeug, fein säuberlich in ein Tuch gerollt. Handy oder Schmuck sind verpönt. Einzig der obligate Ohrring, früher ein Pfand, um im Falle des Todes sein Begräbnis bezahlen zu können, und eine Taschenuhr sind erlaubt.

Weltweit gibt es Einheimische, die für eine Nacht gratis Quartier und Kost bieten und bei der Arbeitssuche helfen. Die beiden sind schon weit gereist, zu Fuß oder per Anhalter. Jacobs zog es von Nordeuropa bis nach Italien, Lettner kam bis Kanada und in die USA. Die Verständigung erfolgt meist auf Englisch oder mit Händen und Füßen.

Wie sie aufgenommen werden? "Anfangs spüren wir oft Misstrauen und werden für Landstreicher gehalten. Es ist auch schwer, per Anhalter weiterzukommen. Ist die Hemmschwelle aber überwunden, werden wir gut aufgenommen", sagen sie. Wie in Birkfeld, wo die beiden ein paar Monate arbeiten.

Danach trennen sich ihre Wege. Jacobs will nach Oberösterreich, Lettner zieht es nach Rumänien. Im Winter wollen sie gemeinsam nach Australien. Eineinhalb Jahre haben sie noch Zeit, dann dürfen sie wieder in ihre Heimatorte zurückkehren.

KARIN SCHERF-KACHELMAIER

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