Auch die Pulsuhr ist Gradwohls Zeuge
Eva-Maria Gradwohl wehrt sich gegen die "Treibjagd" auf ihre Person. Wird ihr der Marathon-Rekord aberkannt, will die 35-jährige Steirerin nicht mehr für Österreich starten.

Foto © GEPAEine nachdenkliche Eva-Maria Gradwohl: "Es belastet mich, dass Außenstehende glauben, ich habe mir etwas ermogelt"
Die 2:30:51 Stunden beim Linz-Marathon bedeuteten für Sie neuen österreichischen Rekord und auch das Ticket für die Olympischen Spiele. Ihr Tempomacher soll sich aber nicht regelkonform verhalten haben. . .
EVA-MARIA GRADWOHL: Mein Trainer Harry Bauer hat mir bis Kilometer 29 das Tempo gemacht und ist dann ausgestiegen. Bei Kilometer 37,2 km lief er kurz neben mir - ich betone neben mir! - und hat mir in seiner Funktion als Trainer noch einige Anweisungen für die letzten Kilometer geben. Da ist alle ganz korrekt abgelaufen.
Aber besagt die Regel 144,2c des internationalen Verbandes nicht, dass ein Tempomacher nicht aus- und dann wieder einsteigen darf?
GRADWOHL: Erstens: Diese Regel gilt für Bewerbe in einem Stadion, nicht für den Straßenlauf. Zweitens: Die Regel 144,2a besagt, dass die Kommunikation zwischen Athlet und Trainer nicht als unerlaubte Unterstützung anzusehen ist. Drittens betone ich noch einmal: Harry Bauer kam als Trainer kurz zurück, lief ausschließlich neben mir!"
Ihr Trainer lief nur kurz "neben" Ihnen - wie lange war das?
GRADWOHL: Da hilft uns Harrys Pulsuhr. Die Auswertung zeigt zunächst eine Pulsfrequenz von 54 - die stieg für rund eine Minute auf 140 an. Das beweist, wie kurz mein Trainer neben mir gelaufen ist. Das soll ein zweites Tempomachen gewesen sein?!
Ein Journalist eines Wiener Boulevard-Blattes hat sogar einen Zeugen aufgetrieben, der Harry Bauer ein zweites Mal als Tempomacher gesehen hat. . .
GRADWOHL: Ich habe mit diesem Zeugen telefoniert. Er hat sich dagegen verwehrt, in welcher Form er zitiert wurde und hat auf seiner Homepage einen Widerruf gemacht.
Die Rekord-Kommission des österreichischen Leichtathletik-Verbandes wird sich aber alles genau anschauen. . .
GRADWOHL: Ich werden meine Argumente am Montag mittels eingeschrieben Briefs übermitteln. Ich gehe davon aus, das für mich alles positiv ausgeht.
Und was, wenn nicht?
GRADWOHL: Dann würde ich die Konsequenzen ziehen und nicht mehr für den österreichischen LA-Verband an den Start gehen. Dann laufe ich nur noch als Privatperson. Und werde versuchen, noch schneller zu werden. Vor Gericht will ich nicht ziehen.
Was ist, wenn Ihr Rekord nicht anerkannt wird, Sie aber ihr Ticket für die Olympischen Spiele behalten dürften?
GRADWOHL: Dann hätte ich ein Problem mit diesem System und würde auf eine Teilnahme in Peking verzichten.
Werden Sie heute beim Marathon in Wien präsent sein?
GRADWOHL: Ja, ich werde heute für meinen Sponsor OMV die Siegerehrung im Halbmarathon vornehmen.








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