Bei Grippe heißt es warten
In der kalten Jahreszeit haben grippale Infekte Hochkonjuktur. Doch je mehr Leute krank sind, desto seltener können die Ärzte einen Hausbesuch abstatten. Was auch zu Unmut bei den Patienten führen kann.

Foto © APA/VennenberndArztbesuche bei Grippe
Rund 200 Menschen tummelten sich am Montag im Wartezimmer der Praxis des Weizer Allgemeinmediziners Edwin Pösinger. Währenddessen wählte eine Patientin die Nummer der Praxis, weil sie wegen einer Grippe einen Hausbesuch wünschte. Sie befürchtete nämlich, dass daraus eine Lungenentzündung werden könnte. Als die Sprechstundenhilfe die Patientin am Telefon nach deren Beschwerden fragte und diese die Auskunft verweigerte, wie hoch ihr Fieber sei, wurde auch kein Hausbesuch abgestattet.
Akute Fälle haben Vorrang. Die Patientin blieb zwar verärgert zurück, das Verhalten des Arztes war allerdings rechtens. Denn gerade, wenn das Wartezimmer so überfüllt ist, müssen Prioritäten gesetzt werden, erklärt Pösinger: "Ich kann keinen Hausbesuch machen, ohne zu wissen, an welchen Symptomen jemand leidet. Denn vierzig Ausfahrten am Tag sind nicht möglich. Ich muss mich auch um akute Fälle kümmern und Krebspatienten betreuen. Weniger dringende Fälle müssen da leider warten."
Wartezeiten. Der Arzt betont, dass nie abgelehnt wurde, einen Hausbesuch abzustatten. Patienten, die nicht schwer erkrankt sind - etwa an einem beginnenden grippalen Infekt leiden -, müssen jedoch Wartezeiten in Kauf nehmen. Bei solchen Fällen, die nicht so dringend sind, könne man den Hausbesuch durchaus um einen Tag verschieben, so Pösinger.
Geduld. Doch nicht nur Patienten, die auf einen Hausbesuch ihres Arztes warten, müssen geduldig sein. "Ich habe schon lange eine Aufnahmesperre für neue Patienten, damit ich mich in der Grippezeit um all meine Patienten kümmern kann", sagt der Allgemeinmediziner. "Ich weiß, dass sich gerade im Krankheitsfall jeder selbst am nächsten ist." Trotzdem bittet Pösinger alle Patienten, die nicht so schwer erkrankt sind, den Weg in die Ordination auf sich zu nehmen. Denn dort kann jeder untersucht werden.











