Mehr auf die Jugend hören
Die Gleisdorfer Buchhändlerin Helga Plautz erhielt das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich. Dabei wurde sie speziell für ihr reges Engagement für Kinder- und Jugendliteratur geehrt.

Foto © Ulla Patz
Dieser Tage kommt die Gleisdorfer Buchhändlerin Helga Plautz kaum zum Verschnaufen. Nicht etwa, weil das Weihnachtsgeschäft bereits angefangen hätte. Nein, bei einem großer Teil der Menschen, die man im Geschäft antrifft, handelt es sich um Gratulanten.
Am Montag wurde Helga Plautz das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Als Grund für diese Auszeichnung gilt ihr Einsatz im Bereich Kinder- und Jugendliteratur. Bereits seit vielen Jahren organisiert sie die Verleihung des österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises.
Nachdem Sie bereits bereits das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark verliehen bekamen und als zweitbeste Kinderbuchhandlung im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet wurden, wie viel bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
HELGA PLAUTZ: Ich freue mich sehr. Ich allein bin das jedoch nicht. Den Preis habe ich nur stellvertretend für all die Menschen der Region entgegengenommen, die ein offenes Ohr für Bücher haben. Aber die Feier in Wien war überwältigend! Knapp 70 Freunde und Bekannte haben mich begleitet.
Wird der Kinder- und Jugendbuchpreis auch im kommenden Jahr in Gleisdorf verliehen?
PLAUTZ: Ja, aber danach muss man sich wieder aufs Neue bemühen, die Möglichkeit zu bekommen, ihn hier auszurichten. Es ist auf jeden Fall sehr schön, dass hinkünftig die Jugendjury weitergeführt wird. Das Votum der Jugendlichen verstärkt auch die Bedeutung des Preises.
Hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur etwas wesentlich verändert?
PLAUTZ: Es hat sich sehr viel getan. Speziell was die Ausstattung und Inhalte der Bücher angeht. Man verarbeitet immer stärker realistische Themen und scheut sich nicht mehr vor Tabus. Auch die Sprache wird immer anspruchsvoller. Die Kinderbuchautorin Mira Lobe hat mir einmal gesagt: "Kinderliteratur darf nicht kindisch, sehr wohl aber kindlich sein."
Werden Bücher dadurch nicht zu anspruchsvoll für Kinder und Jugendliche?
PLAUTZ: Nein, die heutige Jugend ist aufgrund der Umweltsituation viel reifer als früher. Trotzdem wird sie noch immer zu wenig ernst genommen. Es ist höchstens an der Zeit, in den Familien, in der Öffentlichkeit und in den Schulen einfach alles anders zu machen. Man muss das Ohr an den Jugendlichen haben.
War Harry Potter eine Ausnahme, sodass sich die Jugendlichen nun nach dem letzten Band wieder vom Lesen ab- und mehr dem Computer zuwenden?
PLAUTZ: Ich glaube nicht. Die jungen Leute sind dabei, beides zu tun - Computer spielen und lesen. Wir mussten seinerzeit ja auch mit dem Fernsehen umgehen lernen und es in den Alltag einfließen lassen. Ich bin Harry Potter sehr dankbar. Nicht nur, dass es ausgezeichnete Literatur ist, Potter hat es ermöglicht, dass es wieder in ist, sich mit Büchern zu zeigen. Kinder wollen dicke Bücher lesen. Zuvor ging das nicht. J. K. Rowling hat es mit Harry Potter sehr gut verstanden, die jungen Leute ernst zu nehmen.













