"Der eine wird Millionär, der andere frisst die Krot"
Wegen des Baus der 380-kV-Leitung schmeißt Hermine Taucher (44) nach nur sieben Jahren jenes Amt hin, für das sie einst ihren Job aufgegeben hat: VP-Bürgermeisterin von Hofstätten.
Frau Taucher, Sie haben immer gesagt, in Ihrer Amtszeit wird die 380-kV-Leitung nicht durch Ihre Gemeinde gebaut. Jetzt kommt sie doch.
HERMINE TAUCHER: Leider. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mit 31. Dezember mein Amt zurücklege.
Wurden Sie von der 380-kV-Leitung besiegt?
TAUCHER: Ja. Ich habe immer gekämpft, aber man muss sehen, wenn man keine Chance mehr hat.
Dabei sind Sie persönlich nicht einmal wirklich betroffen.
TAUCHER: Bei mir zu Hause geht die Leitung in einiger Entfernung vorbei. Hier beim Gemeindeamt wird allerdings direkt daneben ein Masten kommen.
Sie flüchten.
TAUCHER: Nein, das würde ich so nicht sagen. Aber ich habe meine Grundsätze. Für mich ist es einfach vorbei. Weil die Leitung eben nicht mehr aufzuhalten ist. Ich kann den Bürgern aber in die Augen schauen, weil ich alles unternommen habe.
Herrscht jetzt Weltuntergangsstimmung in der Gemeinde?
TAUCHER: Nein. Wir sind ja auch eine Gemeinde, die es nur halb so schlimm trifft. Bei uns wird die Leitung nicht der Weltuntergang, sie geht ja die Autobahn entlang, das Umspannwerk kommt neben die Betriebe und die Eisenbahn. Aber wir haben uns immer solidarisiert mit den anderen. Leider werde ich trotzdem irgendwie das Gefühl nicht los, dass wir vor langer, langer Zeit die Leitung selber zu uns geholt haben.
Was soll das heißen?
TAUCHER: Es kann kein Zufall sein, dass einige mit ihren Grundstücken enorm profitiert haben.
Dass einige durch die Leitung gutes Geld kriegen, andere aber nichts, ist ja ein zentrales Problem entlang der Leitung.
TAUCHER: Wahrscheinlich das Hauptproblem überhaupt. Es kann nicht sein, dass einer Millionär wird, der nicht daneben wohnt, und der andere, der sein Lebenswerk daneben stehen hat, die Krot frisst. Diese Diskrepanz ist das Schlimme. Ich wollte das nie hinnehmen, dass die Bevölkerung derart misshandelt wird.












