Wo Gemeinschaft ist, geht die Gewalt zurück
Statt Schuld zuweisen das Verhältnis zu den Menschen neu aufbauen: Gefängnisseelsorger Günther Zgubic macht in und mit Pöls für ein groß angelegtes Menschenrechtsmodell in Brasilien mobil.

Foto © Bettina OberrainerBürgermeister Ernst Korp, Maria Zgubic, Pater Günther Zgubic, Pfarrer Heimo Schäfmann
Sie ist explodiert in den vergangenen 15 Jahren, die Gewalt. Überall dort, wo Erste, Dritte und Vierte Welt aufeinanderprallen. Die Menschen halten es nicht mehr aus, "und du weißt nicht, an welcher Straßenecke du heute dran bist..." Nicht einmal die Reichen sind mehr glücklich hinter ihren Gittern.
Medienschar.
Gebannt hing die Medienschar gestern in Pöls an den Lippen eines Mannes, "der im Unterschied zu uns weiß, wie die andere Welt ausschaut" (Bürgermeister Ernst Korp). Und "bis zur persönlichen Selbstaufgabe für andere da ist". In Brasilien, wo er unter Obdachlosen lebte, Aidskranke und Prostituierte betreute und nun als Koordinator der Gefängnisseelsorge des Landes wirkt: Günther Zgubic.
"Menschenrechtszentrum Manaus".
Der gebürtige Pölser Pater macht im Zuge seines Heimataufenthaltes für das Solidaritätsprojekt "Menschenrechtszentrum Manaus" mobil, wird unterstützt von seiner Schwester Maria Zgubic, Pfarre und Gemeinde. "Wir in Pöls weigern uns, nichts zu tun", betonte Korp, und Pfarrer Heimo Schäfmann verdeutlichte die Bedeutung kleiner, aber steter Tropfen: "Günther braucht nicht nur Geld, sondern auch unser Mitdenken, Dasein, Beten."
Wirtschaftssystem.
Eindringlich prangert Zgubic das Wirtschaftssystem, die "Politik des Ausschlusses" in Brasilien an: Heißt die neue Sozialpolitik jetzt "Gefängnisbaupolitik"? Wie können Kinder, vor deren Augen Polizisten der Mutter eine Pistole an den Kopf halten, an einen Staat glauben? Wie diese aufgebaute Zeitbombe entschärfen, wie aus dieser Lüge herauskommen?
Wer ist er?
Der Pater weiß es, ruft mit einem Blick auf das Christuskreuz "Wer ist er?!", fordert die Kirche und mit ihr politische wie gesellschaftliche Organisationen heraus: "Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um den Aufbau eines neuen, anderen Verhältnisses" zu den Menschen. Dafür müssen Korruption aufgedeckt, soziale Konflikte im kleinsten Kreis gelöst, die Leute in ihrem Glauben "an uns" bestärkt werden.
b<>Zusammenarbeit.
Denn: "Wo sich Gemeinschaft organisiert, geht die Gewalt herunter", appelliert Günther Zgubic an die Zusammenarbeit von Kirche und brasilianischem Staat zum Aufbau eines Menschenrechtsmodells für öffentliche und soziale Sicherheit. Dies ist Hintergrund einer Großaktion, die ihren Höhepunkt anno 2009 erleben und die eben auch von steirischer Seite aus unterstützt werden soll. Weil "eine Dritte Welt gibt es nur, wo es eine Erste Welt gibt, die kein Hirnkastl hat".
"Spenden auftreiben und vor allem Bewusstsein bilden - für die Verantwortung, die wir tragen, dass es in Brasilien so weit gekommen ist", bringt Maria Zgubic die Aktion auf den Punkt.












