Biolandwirtschaft im Bezirk WeizWas der Konsument vom Biobauern will – und umgekehrt

Bio oder regional? Wie sich die Biolandwirtschaft in den Zeiten des Umbruches positioniert und vom Umbruch auch profitiert.

253 Biobetriebe im Bezirk Weiz sind beim Ernte Verband Steiermark Mitglied. © jeepbabes - Fotolia
 

Rund 20 Prozent der Anbaufläche in Österreich – und auch in der Steirermark – werden von Bio-Landwirten bearbeitet. Wie groß der Anteil der Bio-Konsumenten ist, lässt sich nicht exakt eruieren – kaufen doch diese oft auf Bauernmärkten oder in Hofläden ein. Im Handel sind rund acht Prozent der verkauften Ware bio.

Dass die Produktionsflächen aber anteilsmäßig größer sind als der Anteil der Biokonsumenten, lasse sich auf den Export zurückführen, meint Barbara Hauszer, Pressesprecherin des Bio-Ernte-Verbandes Steiermark. Zunehmend etwa werden Deutschland oder Skandinavien mit Bioäpfeln aus der Steiermark bedient.

Ulla Patz
Helga Breininger ist im Vorstand der Bio-Ernte- Steiermark und Regionalsprecherin für den Raum um Weiz. Auf 17 Hektar hat sie biologisches Getreide, Walnüsse, Kernöl, Honig, Biorosen und – seit heuer – auch Mohn. © Ulla Patz

Und der Markt sei im Aufbruch: Helga Breininger, Biobäuerin der ersten Stunde aus Weiz: „Bauernmärkte entstehen, bei mir haben kürzlich drei Betreiber angefragt, ob ich nicht auch dort verkaufen will“, sagt sie, die vorwiegend von Direktvermarktung und den Kontakt zu Feinkosthändlern lebt. Auch die gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft boomt, meint Hauszer. Dabei kaufen sich Konsumenten mit einem „Anteil“ beim Bauern ein und können dafür anteilsmäßig Lebensmittel abholen.

KK
Reinhard Steinbauer ist vorwiegend Obstbauer und in Jassing (Gemeinde Eggersdorf) zu Hause. Der Quereinsteiger in die Landwirtschaft hat den Betrieb von seinem Großvater übernommen und vor sechs Jahren auf bio umgestellt. © KK

Für Reinhard Steinbauer, Biobauer aus Jassing (Gemeinde Eggersdorf), ist der Trend zu bio verständlich: „Ich glaube, die Jugend sucht nach Dingen, die sie noch verstehen können. Vor allem junge Leute mit Kindern wollen ein Produkt auf dem Tisch haben, das sie verstehen – von dem sie wissen, wo es gewachsen ist, wer auf dem Traktor sitzt, wer im Stall steht, wo es ein Gesicht dazu gibt. Es gibt ein gesteigertes Misstrauen gegen globale Lebensmittel und das zu Recht“, sagt Steinbauer.

Bio versus regional?

Damit einher gehe auch der Wunsch nach regionalen Lebensmitteln. Gerade da wollen sich die Biobauern aber strikt abgrenzen. Hauszer: „Die Biobauern unterliegen ganz strengen Richtlinien, es gibt keinen Einsatz von chemischen Substanzen, absolut Gentechnikfreiheit, artgerechte Tierhaltung. Und wer meint, die Anfahrtswege machen so viel auf den ökologischen Fußabdruck aus, irrt: Das sind nur rund vier Prozent.“

KK
1997 hat die Familie Meyer aus Wolfgruben (St. Ruprecht) auf bio umgestellt. Äpfel, Birnen, Mutterkühe und eine Imkerei gibt es am Hof. „Mein Mann fand die Kombination gut, wir haben so selber den Dünger“, sagt Hildegard Meyer © KK

Von diesem regionalen Bewusstsein profitieren andererseits aber auch die Biobauern. Hildegard Meyer, Biobäuerin aus St. Ruprecht/Raab: „Jetzt kommen auch die Leute aus der Umgebung zu uns und merken, dass wir was Gutes haben. Und viele kommen, weil ihnen der Arzt empfohlen hat, sich biologisch zu ernähren.“

Bio-Landwirtschaft im Bezirk Weiz

253 Biobetriebe, die im Bio-Ernte-Verband Steiermark Mitglied sind, gibt es im Bezirk Weiz. Steiermarkweit gibt es rund 3850 Biobetriebe, davon sind 2400 Landwirte im Bio-Ernte-Verband.

Flächenmäßig macht das Grünland den größten Bereich der Bio-Landwirtschaft im Bezirk aus (rund 2200 Hektar), gefolgt vom Ackerbau (800 ha) und dem Steinobst (280 ha). Gemüse wird auf 11 Hektar angebaut, Beerenobst auf 7 und Wein auf 3 Hektar.

Bei den Tieren führt das Geflügel (fast 55.000 Tiere), gefolgt von den Fischen (fast 7000 Tiere) und den Rindern (ca. 4000 Tiere). Danach folgen Schafe (ca. 800), Schweine (ca. 500), Pferde (ca. 100), Ziegen (61), Kaninchen (37) und Wildtiere (7). Die Bio-Imkerei wird stärker – derzeit gibt es 141 Bienenvölker.

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