Graz/PischelsdorfFrankenberger-Ausstellung in Graz

In Graz wird heute ein Bildband über das Werk von Richard Frankenberger präsentiert. Es zeigt einen Querschnitt seiner Arbeit im Umfeld der Natur.

Richard Frankenberger vor einem seiner abstrakten Landschaftsbilder © Franz Brugner
 

Die hochsommerliche Hitze lässt die Luft auch noch am späteren Nachmittag flirren. Der Himmel präsentiert sich wolkenlos. Trotz der hohen Temperaturen ist Reserl Frankenberger mit dem Mähen beschäftigt. Sie kurvt mit dem knatternden Motormäher durchs kniehohe Gras. Das umgebundene Kopftuch schützt sie vor den sengenden Sonnenstrahlen. Die anstrengende Arbeit scheint der Anfangssiebzigerin noch leicht von der Hand zu gehen.

Früher ging ihr Mann, der vielseitige Künstler Richard Frankenberger, seiner Frau bei solchen Tätigkeiten noch zur Hand, doch seit einer schweren Operation vor zwei Jahren muss er mit seinen körperlichen Kräften gezielt haushalten. Ein notgedrungener Tribut ans Alter. „Ohne meine Reserl wäre ich nur ein halber Mensch“, hört sich Frankenbergers dankbarer Liebesbeweis an.

Frankenberger, führt aber nach wie vor mit gekonnter Eleganz den Pinsel. Ein Querschnitt seines Schaffens ist ab heute um 19.30 Uhr im Schloss St. Martin in Graz zu sehen. „Landschaften – Aquarelle und Zeichnungen 1965 – 1993“ nennt sich der Bildband, der heute im Rahmen der Ausstellungseröffnung vorgestellt wird. Erschienen ist das Buch im Verlag „Bibliothek der Provinz“.

Die Ausstellung zeigt einige Werke ab dem Jahr 1965, der echte Ausgangspunkt geht aber auf 1972 zurück. Damals, im Abschlussjahr seines Diplomstudiums an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, erhielt der gebürtige Ilzer die ehrenvolle Einladung zu einer Soloausstellung im Theseustempel im Wiener Volksgarten. Frankenberger zeigte an diesem prominenten Ort eine Vielzahl an Aquarellen: Landschaftsimpressionen aus der engeren Heimat wie solche von seinen Studienreisen nach Frankreich und Spanien.

Baumstümpfe und Rehskelette

Mit schnellem Strich hatte er die tektonische Charakteristik, ebenso wie das atmosphärisch Idealtypische der jeweiligen Landschaft abstrakt zu Papier gebracht.  Im neuen Bildband sind aquarellierte Landschaftsbilder und Grafiken, die anhand von Baumstümpfen und Rehskelettstudien den Kreislauf vom Werden und Vergehen sichtbar machen, enthalten. Darunter findet man etliche Impressionen aus der Gegend rund um Podersdorf am Neusiedlersee, wohin Frankenberger mit dem Farbkasten im Gepäck als Begleitlehrer – er unterrichtete mehr als 30 Jahre an der HTL Ortweinplatz in Graz – bei Sportwochen mitgefahren ist. Mit jenen Schülern, die keine Motivation für sportliche Aktivitäten mitgebracht hatten, betrieb er kreative Naturstudien.

Aber auch sein Hausberg, der Kulm, findet sich etliche Male im Buch wieder. Der Berg war auch der Namensgeber für das von Frankenberger & Co. mit dem hehren Ziel gegründete Kunst- und Kulturlabor K.U.L.M. (Kunst. Und. Leben. Miteinander), den Boden abseits der urbanen Zentren für zeitgenössische Kunst aufzubereiten. Die Mühe war nicht ganz vergeblich.

„Vielleicht habe ich mich zu sehr durch meine 25-jährige Kulturarbeit für K.U.L.M. verzettelt, statt mich auf die eigene Arbeit zu konzentrieren“, sinniert Frankenberger über eine verpasste Karriere als Künstler nach. Er hat trotzdem eine solche gemacht. Frankenberger ist eine anerkannte Größe in der Steiermark und für die Region Pischelsdorf durch die Etablierung vom Kulturstock K3 ein wichtiger Wegbereiter für die Kunst im ländlichen Raum. Seine Aquarelle sind ein kleiner, aber wichtiger Teil davon.

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