"Ganz anders als in einem Streichelzoo"
Wie funktioniert Tiergestützte Pädagogik und Therapie?
SILKE SCHOLL: Landwirtschaftliche Nutztiere werden von Therapeuten und Pädagogen mit dieser speziellen Zusatzausbildung in der Arbeit mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, verhaltensauffälligen Kindern oder Menschen mit psychischen Problemen eingesetzt. Durch die Arbeit mit den Tieren bessert sich nicht nur das Sozialverhalten - weil es ja darum geht, Verantwortung zu übernehmen - sondern je nach der Wesensqualität des Tieres werden Verhaltensextreme ausgeglichen.
Zum Beispiel?
SCHOLL: Rinder zum Beispiel strahlen viel Ruhe aus und können dazu beitragen, hyperaktive Menschen zu beruhigen. Schweine hingegen sind aktiv, motivierend und lustig - sie können ruhigen, zurückgezogenen, depressiven Menschen Lebenslust vermitteln. Aber auch das Umfeld des Bauernhofes kommt zum Tragen: Viele Klienten, die normalerweise in Institutionen leben, können so den Alltag einer bäuerlichen Familie miterleben. Also anders als bei einem Therapiehund.
Wie sieht die Arbeit mit den Tieren und Klienten genau aus?
SCHOLL: Das fängt beim Streicheln und Füttern an, aber nicht wie im Streichelzoo, sondern immer in Verbindung mit einem pädagogischen Ziel. So müssen zum Beispiel aggressive Kinder beim gemeinsamen Bürsten eines Kalbes plötzlich kooperieren. Und dann gibt es auch noch Spiele mit den Tieren - artgerecht. Mit Ziegen, die gerne klettern, kann man zum Beispiel Parcours machen; mit Schweinen, die gerne in der Erde wühlen, kann man Bälle schubsen.















