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Zuletzt aktualisiert: 05.05.2012 um 20:18 UhrKommentare

Spuren im Spiegel der Zeit

Mit 18 Jahren verließ Künstler Gustav Troger die Weststeiermark. Bei einem Rundgang durch Bärnbach kehrt er zurück zu seinen Anfängen.

Er ist in der Voitsberger Gemeinde Kohlschwarz verwurzelt. Der Baum, aus dem Künstler Gustav Troger ein neues Werk schaffen will. Ein kleiner Nadelbaum aus dem Wald von Trogers Onkel soll es sein. Denn auch Troger selbst war hier verwurzelt. Zuvor trifft er sich mit mir. Für eine Spurensuche. Doch es gießt aus Kübeln.

"Sie sind doch dieser Künstler?" Der 61-Jährige wird sofort erkannt, als wir in der Bärnbacher Konditorei Köck bei Kaffee und Kuchen den Regen abwarten wollen. Der Künstler, der mit einem Anzug aus Spiegelstücken durch Amerika zog. Der unter anderem die angekettete Stahlkugel vor dem Gasthaus Kosir und das verspiegelte Pferd im Köflacher Rathaus gestaltete.

Dass er überhaupt Künstler wurde, sei ihm eher in den Schoß gefallen, sagt er. Er lernte Kunstschmied, war danach für eine Leihfirma in ganz Österreich unterwegs. Die kreative Energie habe er in sein Auto gesteckt. Erst als sein Bruder bei einem Autounfall tödlich verunglückte, widmete er sich verstärkt Bildern.

In vielen davon findet sich das Motiv des Gefangenseins, des Ausbrechens. Ein Motiv, das er auch lebt. Pendelt zwischen Los Angeles, Wien und Graz, eine "Flucht vor jedem Ort", wie er sagt. Er erzählt von den späten 1980ern, wo er "drüben" erste Ausstellungen hatte - immer unter einem anderen Namen. Seine bekanntesten waren Dr. Watson und Clarence Anglin: "Markttechnisch natürlich ein Wahnsinn", lacht Troger.

Der originale Anglin, ein Bankräuber, floh aus dem Gefängnis Alcatraz und baute eine Attrappe seines Körpers, damit die Flucht nicht so schnell bemerkt werde. Das beeindruckte Troger: "Anglin wurde Bildhauer aus einer Notsituation."

Der Regen hat aufgehört, er will mir zeigen, wo er aufwuchs. Trogers Blick schweift durch die Bärnbacher Landschaft. Vor ihm ragt der Kamin des ehemaligen Ziegelwerkes aus dem Gestrüpp hervor. Mehr blieb davon nicht mehr übrig. Der Werksleiter und seine italienische Familie wohnten in der angrenzenden Di-Maria-Villa. Heute verfällt sie langsam. Gegenüber lebte Troger mit seiner Familie, zusammengedrängt auf wenigen Quadratmetern. Das kleine Haus ist weggerissen, wie auch sein Geburtshaus in Kohlschwarz. Heimat sei für ihn aber kein Ort. "Heimat ist dort, wo die Seelenverwandten wohnen."

"Wir haben immer mit den Di-Maria-Kindern gespielt", erzählt der Künstler, während wir einen Hang hinaufgehen. Pulverturm wird dieser genannt, von oben kann man nach Piber sehen. Hier spielte er als Kind Indianer, lernte Skifahren. Im Sommer ging er mit den Kindern des "Chefs", wie alle den Ziegelfabriksbesitzer nannten, in den lehmigen Tümpeln baden.

Der Künstler träumt von einer "Stronachsituation", dann würde er das alte Haus vielleicht kaufen und einen Kinderspielplatz errichten. Als wir später im Gasthaus MadClub Kosir haltmachen, erfährt er: Die Tochter von Wirtin Fini Rosenzopf hat das Haus vor Kurzem gekauft, um dort eine Arztpraxis zu betreiben.

Bei einem Gläschen Bier wird philosophiert. Troger ärgert sich, dass oft Künstler geholt werden, die mit der Region nichts zu tun haben. Besser wäre es, lokalen Nachwuchskünstlern eine Chance zu geben. Für ihn das Drama des Bezirks: "Die wirklichen Kunsthäuser der Weststeiermark sind heute Gasthäuser. Der Kosir und die Villa Weiss."

Diese will er mir noch zeigen, wir fahren nach Ligist. Hausherrin Antoinette Oberländer freut sich, als Troger in den Raum tritt. Sie sitzt mit einigen Jugendlichen an der Bar. Einen Stock darüber gibt es einen Ausstellungsraum für junge Künstler. Wir bekommen eine Führung.

An der Bar unterhält man sich. Draußen wird es langsam finster. Und der Baum muss noch ein paar Tage warten.

THOMAS KUHELNIK

FAKTEN

Gustav Troger wurde 1951 in Kohlschwarz geboren.

Der Maler und Bildhauer ist auch unter Pseudonymen wie Dr. Watson und Clarence Anglin bekannt.

Er wurde bereits mit mehreren nationalen Preisen ausgezeichnet.

Troger lebt und arbeitet in Los Angeles, Wien und Graz. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

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