Klimawandel bringt seltene Tierchen
Die Gottesanbeterin, dafür bekannt, nach der Paarung das Männchen zu verspeisen, rückt immer weiter nach Norden vor. Im Bezirk Voitsberg ist sie schon mehrmals gesehen worden.

Foto © ReutersMörderische Bekanntheit: Die Mantis religiosa hat keinen guten Ruf, weil es vorkommt, dass sie nach der Paarung das Männchen frisst
Die Gottesanbeterin wird sozusagen steckbrieflich gesucht: Binnen einer Woche "sind Hunderte Meldungen eingelangt", so Johannes Gepp vom Naturschutzbund. Warum das Interesse an dem Tier, das zur Familie der Heuschrecken gezählt wird, derzeit so groß ist, erklärt Gepp folgendermaßen: "Die Gottesanbeterin stammt aus dem Mittelmeerraum. Durch den Klimawandel ist sie in den vergangenen Jahren bis in die Steiermark vorgedrungen. Und wir wollen wissen, wo sie schon heimisch geworden ist."
Seit 2003 wird die Mantis religiosa, wie sie mit lateinischem Namen heißt, auch in der Voitsberger Region gesichtet. Sie kann bis zu zehn Zentimeter groß werden, ist grün oder braun, passt sich ihrer Umgebung an und lebt bis in den Herbst hinein. Ihre natürlichen Feinde sind Vögel und Mäuse. Und die sonnigen Weinberge in der Weststeiermark seien ein guter Lebensraum für sie, meint Gepp.
Dass es ihrem Männchen nach der Paarung an den Kragen geht - dafür ist die Gottesanbeterin bekannt -, sei übrigens eher selten. "Dadurch kann sie nachher mehr Eier legen, was von Vorteil ist. Und das Männchen wäre sowieso einige Tage später gestorben", meint der steirische Naturschutzbund-Obmann.
Biss
Es brauche aber trotz der "Bissigkeit", die das Insekt gegenüber seinem männlichen Partner zeigt, niemand Angst zu haben, beruhigt Gepp: "Die Gottesanbeterin tut einem Menschen nichts Böses, man kann sie ruhig auf die Hand nehmen."
Das hat Heide Lamperter, Keramikkünstlerin aus Köflach, schon probiert und kann bestätigen, dass die Fangschrecke harmlos ist: "Ich habe sie bei Arbeiten auf einer Wiese in Klein-Gaisfeld gesehen und vorsichtig auf einen Obstbaum gesetzt, weil es sich doch um ein in unseren Breiten seltenes Insekt handelt", so Lamperter. Die Gottesanbeterin schien sich auf dem Grundstück wohlzufühlen, denn "sie wurde nach einigen Stunden immer noch dort gesehen", erklärt Lamperter.
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FAKTEN
Gebiete. Der Naturschutzbund Steiermark möchte feststellen, wie weit die Gottesanbeterin, bedingt durch den Klimawandel, schon auf dem Vormarsch ist. Sie wurde in den vergangenen Jahren nicht nur im Süden der Steiermark, sondern auch im Bezirk Voitsberg und im Norden von Graz gesichtet.
Informationen. Wer solch ein Insekt, das zwischen acht und zehn Zentimeter groß und zartgrün oder auch braun sein kann, gesehen hat, möge sich an den Steirischen Naturschutzbund wenden: presse@naturschutzbundsteiermark.at. Die Gottesanbeterin ist übrigens nicht gefährlich.









