Textilreste, ein Kreuz und ein Rosenkranz
Bischof und Landeshauptmann: Die Särge der zwei Wagensperger werden in Wien restauriert. Der Chefrestaurator des Bundesdenkmalamtes entscheidet, was mit den Skelettteilen und den Beigaben geschieht.

Foto © LasutschenkoDer Kupfersarg von Bischof Franz Anton Adolf Graf von Wagensperg wird - wie der seines Bruders - zum Restaurieren nach Wien gebracht
Seit fast zwei Jahren sorgen zwei Särge aus dem 18. Jahrhundert in der Voitsberger Loretokapelle für Spannung: Denn als dort die Grablege der Wagensperger entdeckt worden ist, stieß man nach und nach auf weitere Erkenntnisse. So fand man zum Beispiel im Erdreich unter dem Fliesenboden die sterblichen Überreste von 14 weiteren Personen.
Dass sowohl ein Bischof als auch ein Landeshauptmann in der Gruft bestattet sind, stand ziemlich bald fest und die kupfernen Prunksärge dieser zwei Wagensperg-Brüder wurden geborgen. Sie sollten dieser Tage zum Restaurieren nach Wien gebracht werden. Ulrike Rossmeissl und Wolfgang Schwarzkogler, spezialisiert auf die Bearbeitung von Metall, hatten den Lkw für den Transport schon bestellt - doch dann kam alles anders.
Der Prunksarg, in dem der Bischof bestattet worden war, musste nämlich geöffnet werden, um den Holzsarg, der sich darin befindet, herausheben zu können. "Die sterblichen Überreste sollen bis zur endgültigen Beisetzung in der neuen Gruft würdevoll in der Voitsberger Bestattungsanstalt verwahrt werden", so Dechant Erich Linhardt.
Allerdings war es nicht möglich, Bretter, Skelettteile und Beigaben zu bergen. "Die Knochen sind weich, haben dieselbe Konsistenz wie das Holz", erklärt Anthropologin Silvia Renhart. Es ist nämlich Wasser in die Särge eingedrungen, "in eher trockenem Milieu" hätte man unter Umständen mehr als nur Stoffteilchen finden können.
Laut Dechant Linhardt wird der Chefrestaurator des Bundesdenkmalamtes aus Wien nach Voitsberg kommen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Linhardt: "Es muss geklärt werden, ob die textilen Reste für die Wissenschaft etwas hergeben." Beigaben - wie ein Rosenkranz und ein Metallkreuz - oder die erhalten gebliebenen Pontifikalschuhe des Bischofs sowie seine Perücke könnten ebenfalls bezüglich Bestattungskultur im 18. Jahrhundert von Bedeutung sein.
"Rund zwei Monate" wird die Restaurierung der Särge dauern, meint Rossmeissl. "Der des Bischofs ist mit den aufgenieteten und getriebenen Totenköpfen sowie der Rankendekoration besonders liebevoll gestaltet." Das Kupfer sei "in einem guten Zustand, die Eisenverstärkung im Inneren ist aber stark verrostet".
Auch im - weniger prunkvollen - Sarg des Landeshauptmannes hat Wasser Spuren hinterlassen: Der Deckel wurde abgehoben, die darunter liegenden Bretter ließ man aber noch an Ort und Stelle.
Features
Fakten
Loretokapelle. In der Voitsberger Josefskirche befindet sich eine Loretokapelle. Dort entdeckte man im November 2009 zwei Särge und die Gebeine von 14 Personen, die ebenfalls dem Geschlecht der Wagensperger angehörten.
Brüder. In den zwei Särgen sind zwei Brüder bestattet: Bischof Franz Anton Adolf Graf von Wagensperg verstarb während eines Urlaubes in Voitsberg im Jahr 1723. Sein Bruder, Sigmund Rudolph Wagensperg, der Landeshauptmann war, überlebte ihn um elf Jahre.
Gebeine. Die Gebeine der anderen Wagensperger, die man während der Grabungsarbeiten in der Loretokapelle der Josefskirche gefunden hat, werden gesammelt in einem Sarg bestattet.








