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Zuletzt aktualisiert: 14.07.2011 um 20:19 UhrKommentare

Für Wanderer auf den Almen im Einsatz

Schwendarbeiten sind notwendig, damit Bäume und Sträucher sich nicht allzu breitmachen und die freien Flächen gänzlich zuwachsen.

Ein Vorteil für Mensch und Tier: Ein EU-Förderprogramm bewirkt, dass wieder mehr Almhaltung betrieben wird

Foto © APAEin Vorteil für Mensch und Tier: Ein EU-Förderprogramm bewirkt, dass wieder mehr Almhaltung betrieben wird

Seit Ende Mai, Anfang Juni sind die Almweiden in den Bergregionen des Bezirkes Voitsberg wieder bevölkert. Tausende Rinder und Pferde genießen dort ihren "Sommerurlaub" und das kraftvolle, würzige Futter. Natürlich sehr zur Freude der Wanderer und Bergsteiger. Denn was wären Almen, würden dort nicht Pferde galoppieren, Rinder in aller Ruhe grasen oder wiederkäuend in der Sonne liegen. Dieses Almidyll hat jedoch seinen Preis.

"Ohne Tierhaltung in den höheren Regionen gäbe es auch keine Almwiesen und verständlicherweise kaum Almblumen. Denn die freien Weiden würden bis weit hinauf sehr schnell von Bäumen und Sträuchern okkupiert, also zuwachsen", schildert Johann Annavit, Obmann der Agrargemeinschaft Terenbachalm, die Bedeutung der Almhaltung für Erholungssuchende und Fremdenverkehr. "Wenn unsere Almen nicht bewirtschaftet und gepflegt werden, ist der Erholungswert für Naturliebhaber gleich null. Man könnte dann lediglich auf Forstwegen wandern."

Schwenden

So werden alljährlich zahlreiche Stunden von Eigenbesitzern und Agrargemeinschaften dafür aufgewendet, um die rund 2100 Hektar Almweiden der Region von unerwünschtem Gehölz zu befreien. Schwenden nennen sie diese Säuberungsarbeit.

Damit leisten die Almbesitzer einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft und somit auch für den Erholungsraum und für den Fremdenverkehr.

Kürzlich war Annavit mit einigen Mitgliedern seiner Gemeinschaft in der Nähe der Halterhütte auf der Terenbachalm mit Schwendarbeiten beschäftigt. Von dort oben sieht man bis weit nach Slowenien. Rinder und Pferde drängten sich neugierig heran, als die Fichten sowie das Gestrüpp umgeschnitten wurden. Einzelne Baumgruppen werden jedoch bewusst stehen gelassen. Der Grund dafür ist einleuchtend: Das Weidevieh braucht nämlich Unterschlupf und Schutz, wenn das Wetter schlecht ist.

Almhaltung

Dass die Almen sehr rasch zuwachsen, wenn sie nicht bewirtschaftet werden, bestätigt der Forstfachmann Peter Weißnar am Beispiel der aufgelassenen "Soldatenweide" des Bundesgestüts Piber auf dem Brandkogel.

"Nach dem Zweiten Weltkrieg ist diese Fläche nicht mehr benutzt worden, nach 30 Jahren gab es bereits einen Fichtenbestand", erklärt der Oberförster der Österreichischen Bundesforste. Zuerst bemächtigen sich nämlich "Pionierbaumarten", in unseren Breiten häufig die Grünerle, des Geländes. Sie bereitet durch ihr Wurzelwerk den Boden auf und gibt somit Fichten die Möglichkeit, durch Samen-Selbstanflug Fuß zu fassen und sesshaft zu werden.

Dass unsere Almen nicht nur touristisch, sondern auch landwirtschaftlich eine Renaissance erleben, bestätigt Hans-Jürgen Reinprecht von der Voitsberger Bezirkskammer für Land- und Forstwirtschaft: "Durch das EU-Förderprogramm gibt es wieder mehr Anreize zur Almhaltung und damit zur Belebung und Erhaltung unserer Almregionen."

KARL MAYER

FAKTEN

Schwenden ist das Befreien von Weideland vom Bewuchs. Bäume und Sträucher werden nicht zur Gänze entfernt, sondern nur abgeschnitten, der Stock bleibt im Boden. Im Bezirk Voitsberg gibt es 120 Almen, 105 davon sind Eigenalmen, 15 werden von Agrargemeinschaften bewirtschaftet. Die Almfutterfläche hat ein Ausmaß von 2101 Hektar. Heuer weiden auf den Almen der Region 2982 Rinder, 63 Milchkühe sowie 261 Pferde.

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