Kraftwerk "vernichtet" Jobs
Das Gutachten wurde den Umrüstungsgegnern des Kraftwerkes Voitsberg noch vor der Landtagswahl 2010 von LH-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer versprochen.

Foto © Andrea KratzerUngewisser denn je, was aus dem Voitsberger Kraftwerk wird
Es sollte eruiert werden, wie sich ein Weiterbetrieb mit Steinkohle auf die touristische Entwicklung der Region auswirke. Inzwischen ist die Expertise, die von der Joanneum Research Forschungsgesellschaft unter der Projektleitung von Franz Prettenthaler und weiteren Mitarbeitern erstellt wurde, fertig und liegt der Kleinen Zeitung exklusiv vor.
"Es wurde aufgrund begrenzter Mittel keine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt, sondern das hauptsächliche Augenmerk auf die regionalwirtschaftlichen Effekte hinsichtlich einer verminderten Attraktivität des Tourismusstandortes sowie der dadurch reduzierten Entwicklungschancen gelegt", so die Autoren der 55-seitigen Studie.
Die Ergebnisse sprechen für sich: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass europaweit ein eindeutig negativer Zusammenhang zwischen Kohlekraftwerkstandorten und Nächtigungszahlen besteht." Die entstehenden Umwelt- und Gesundheitsbelastungen durch eine Wiederinbetriebnahme des Kohlekraftwerkes stünden in deutlichem Konflikt mit der Tourismusentwicklungsstrategie der Region, die seit der Eröffnung der Therme Nova im Jahr 2004 einen klaren Aufschwung bei den Nächtigungszahlen erlebt habe. Zudem spiele der Tagestourismus eine wichtige Rolle. 2009 waren 700 Menschen im Tourismus beschäftigt. "Die Branche zählt zu den stärksten Jobmotoren des letzten Jahrzehnts in der Region."
Ohne Kraftwerk wird dem Bezirk bis 2020 ein Anstieg bei den Nächtigungen um zehn bis 17 Prozent prognostiziert. Sollte das Kraftwerk wieder "dampfen", und man gehe von einem Stagnieren der Nächtigungen auf derzeitigem Niveau aus, würde das einen Entfall von 17.600 bis 31.700 Nächtigungen bis 2020 bedeuten. Das würde 80 bis 140 Arbeitsplätze vernichten. Wenn man rechne, dass die Nächtigungen auf das Niveau von 2006 zurückgehen, wären das sogar 62.500 bis 76.600 Nächtigungen und 140 bis 200 Jobs, die auf der Strecke blieben. Würde man hingegen die Kraftwerksblöcke in Voitsberg abreißen oder touristisch umgestalten (Kletterwand), könnte man 60 bis 360 unselbstständig Beschäftigte in der Tourismusbranche anstellen mit einer zusätzlichen Bruttowertschöpfung von drei bis 17 Millionen Euro.
Schleifung
"Bei der Studie ist herausgekommen, was ich immer gesagt habe: Dass wir mehr Arbeitsplätze verlieren, als das Kraftwerk bringt. Das müssten auch die letzten Befürworter erkennen", meint der Voitsberger Vizebürgermeister Walter Gaich. Er werde sich künftig für die Schleifung des Werkes einsetzen.
Auftraggeber Hermann Schützenhöfer zeigt sich mit dem Ergebnis der Untersuchung zufrieden: "Wie vereinbart habe ich diese Studie zu den Auswirkungen einer Inbetriebnahme des Kohlekraftwerkes auf den Tourismus in der Region Voitsberg in Auftrag gegeben. Ich begrüße das Ergebnis dieser Studie. Sie bestätigt die positive Entwicklung und auch das künftige große touristische Potenzial in der Region."







