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Zuletzt aktualisiert: 26.03.2011 um 21:44 UhrKommentare

Gefangen in einer Scheinwelt

Bevor es für Marco Angelini (26) bei DSDS am 2. April um den Einzug unter die besten fünf geht, besuchte er dieser Tage seine Heimat in Voitsberg.

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In den bisherigen sieben Staffeln hat "Deutschland such den Superstar" (DSDS) mit Mark Medlock lediglich einen Star hervorgebracht. Zum Superstar fehlt selbst ihm noch einiges. Warum sollte es bei Ihnen anders laufen, für den Fall, dass Sie gewinnen?
MARCO ANGELINI: Ich bin ein positiver Mensch und sehr ehrgeizig. Man darf nicht vergessen, viele Kandidaten sind noch Schüler, viele geben für die Show ihren Beruf auf und plötzlich ist man ein kleiner Star. Da kann es schon passieren, dass man bis zum Finale draufkommt, dieser Glanz und Glamour ist doch nicht die Welt ist, in der man leben möchte. Ich merke, dass mir das Spaß macht und dass ich das den Weg weiter gehen will. Deshalb könnte es bei mir funktionieren.

Die Show sehen im Schnitt sieben Millionen Menschen. In Ihrer Heimat Voitsberg wurden Sie diese Woche empfangen wie ein Volksheld. Wie gelingt es einem da nicht abzuheben?
ANGELINI: Das Alter und eine gewisse Reife spielen eine große Rolle. Ich bin einfach nur froh und dankbar, weil sich mein Lebenstraum auf der DSDS-Bühne zu stehen erfüllt hat. Dass dieser Hype wieder abklingen wird, dessen bin ich mir bewusst. Ein Rezept gegen das Abheben kenne ich aber nicht.

Welche Gefahren lauern in einer Show wie DSDS?
ANGELINI: Vor allem für jüngere Teilnehmer ist es in einer solchen Ausnahmesituation nicht leicht auf dem Boden zu bleiben, vor allem wenn sie jeden Tag im Internet oder der Zeitung lesen, wie super sie sind. Da verliert man leicht den Bezug zur Realität und manche vollziehen eine Wesensveränderung. Selbst mir, als geformte, gestärkte Persönlichkeit fällt es schwer mit dieser Aufmerksamkeit umzugehen. Als 16-Jähriger wäre ich dem Hype wohl nicht gewachsen gewesen.

Die DSDS-Bühne war Ihr Lebenstraum, zum Abschluss des Medizinstudiums fehlt nur noch die Diplomarbeit. Wie lautet die prozentuale Verteilung Ihrer Leidenschaften?
ANGELINI: Ich will beides zu 100 Prozent. Medizin ist das Seriöse in mir, mein Beruf. Musik war ebenso seit jeher mein Traum.

Das Studium wird heuer abgeschlossen?
ANGELINI: Das ist Fakt, nur wann es danach mit der Medizin weitergeht, lässt sich jetzt zeitlich nicht eingrenzen.

Warum hat es für Sie bei den ORF-Castingformaten "Starmania“ und "Helden von morgen“ nicht geklappt?
ANGELINI: Bei "Starmania“ war ich musikalisch nicht auf dem Niveau von heute. Bei "Helden von morgen“ letzten Sommer hab ich eigentlich richtig gute Auftritte hingelegt, aber das ist eben eine subjektive Entscheidung der Jury. Es gehört Glück dazu, die Tagesverfassung und wie man ins Konzept passt. Böse bin ich aber niemandem.

Dachten Sie je daran, die Musik sein zulassen?
ANGELINI: In meinem Heimatbezirk war bekannt, dass ich schon sehr oft bei Castings war und da hab ich oft ganz blöde Ansagen wie "Das ist der, der eh nie weiterkommt“ gehört. Ich war bei "Starmania“ zwar unter den besten 20 Jungs, aber solange du im Fernsehen nicht präsent bist, akzeptieren die Leute dich nicht. Da ist es dann schon schwierig, trotzdem weiter zu machen. Aber es wird einem nun mal im Leben nichts einfach gemacht. Deshalb soll man trotzdem immer weiterkämpfen, auch wenn man noch so oft eine auf die Schnauze bekommt. Irgendwann kommt "der Tag“ – für jeden.

Sie haben oft betont, dass Sie Dieter Bohlen als Musiker sehr schätzten. Wie geht es Ihnen damit, wenn er als DSDS-Juror in den verbalen Schmutzkübel greift und Kandidaten zu tiefst beleidigt?
ANGELINI: Vor allem bei den Vorcastings sind Kandidaten dabei, die sehr schlecht singen, da kann man seine Kritik verstehen. Dass Bohlen manchmal etwas ausschweifender werden kann, ist aber Teil der Show. Und nach acht Staffeln wissen alle Teilnehmer worauf sie sich bei DSDS einlassen.

Sehen Sie Dieter Bohlen auch unter der Woche?
ANGELINI: Nein, nur samstags.

Sie stehen derzeit sowohl in Deutschland als auch in Österreich im Blickpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Lebt man im Zeitalter der Video- und Fotohandys gepaart mit YouTube vorsichtiger?
ANGELINI: Auf jeden Fall. Ich hab zwar auch vor der Show keine schlimmen Dinge gemacht, aber man darf nicht vergessen, dass man als DSDS-Kandidat auch eine gewisse Vorbildrolle hat – vor allem für viele junge Fans. Da geht es einfach nicht, dass man sich irgendwo sinnlos betrinkt oder sich mit einer Bierflasche ablichten lassen. Wichtig ist es auch, aufzupassen, was man in Interviews wie sagt.

Die deutsche "Bild“-Zeitung begleitet fast jeden Schritt von euch. Halten Sie das Medium für dienlich oder brandgefährlich?
ANGELINI: Die Frage kann ich noch nicht beantworten. Aber wenn ich mit der Zeitung telefoniere, überlege ich besonders genau, was ich sage. Zum Glück haben sie es aber noch nicht auf mich abgesehen gehabt.

Während Sie Woche für Woche auf der Bühne stehen, tobt in Libyen ein Bürgerkrieg und Japan kämpft mit den Folgen eines gewaltigen Erdbebens. Lässt das die Wertigkeit von DSDS nicht sehr relativ erscheinen?
ANGELINI: Genau so sehe ich das. Ich war mit meinen Teams bei den Special Olympics in Tokio und erlebte selbst ein Erdbeben mit, bei dem ich mir fast in die Hosen gemacht hätte. Derzeit bin ich durch DSDS in einer Art Scheinwelt gefangen, aber angesichts einer solchen Katastrophe frage ich mich dann, ob es denn notwendig ist, dass ich mich aufrege, wenn mein Mikro zu leise eingestellt ist oder ich mich versungen habe.

Was zählt für Sie im Leben?
ANGELINI: Gesundheit, Familie, Freunde meine Leidenschaften wie Musik und Medizin sowie soziales Engagement. Wenn es einem – wie mir – gut geht, dann kann man das auch zurückgeben. Sei es durch Spenden für Japan oder Besuche im Altersheim, um mit den Bewohnern dort einfach nur zu sprechen. Das ist auch der Grund, warum ich seit sechs Jahren als Trainer bei den Special Olympics mit dabei bin.

Was nehmen Sie von der Arbeit mit behinderten Menschen für sich persönlich mit?
ANGELINI: Ihre Ehrlichkeit bedeutet mir sehr viel. Wenn du ein Depp bist, sagen sie dir "Du bist ein Depp“, mögen sie dich, wirst du sofort umarmt. Dieses ehrliche Feedback ist heutzutage selten, denn wir Menschen sind mit allem unzufrieden.

Wäre es Ihnen eigentlich peinlich als "der singende Doktor“ in die Annalen der österreichischen Ärztekammer einzugehen?
ANGELINI: Überhaupt nicht. Ich kenne sehr viele erfolgreiche Ärzte, die nebenbei Rockmusik machen oder sich anders künstlerisch betätigen. Diese Art des Abschaltens bringt der Beruf wohl mit sich.

Viele weibliche Fans rätseln darüber, ob Sie denn Single seien.
ANGELINI: Es gibt Dinge, über die ich nicht reden kann und auch nicht reden will. Dass darüber gerätselt wird, finde ich irgendwie cool.

INTERVIEW: CHRISTOPH STEINER

Zur Person

Marco Angelini geboren am 26. Juli 1984 in Voitsberg.

Uni: studiert an der Uni Graz Medizin, die Diplomarbeit fehlt noch.

Musik: Sänger der Studentenband "Black Balloon".

Im TV: "DSDS - Das Magazin", RTL, 15.35 Uhr.

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