Die Kirche als Arbeitgeber
"Der Mensch braucht Arbeit, um sein Leben entfalten zu können": 14 Mitarbeiter sind im Pfarramt Voitsberg beschäftigt, nur zwei davon geringfügig.
E s waren schöne Geräusche, wenn die Münzen hineingefallen sind oder das Papiergeld geraschelt hat: Mit dem Klingelbeutel abzusammeln ist aber nicht mehr in Mode. Man wirft seinen Obolus in ein Körbchen. Und was die Gläubigen während der Messen spenden, wird nicht irgendwohin in ferne Lande geschickt oder in Rom abgeliefert, sondern bleibt im Ort. "Das Geld kommt in die Kirchenkasse, damit werden zum Beispiel Strom, Heizung oder Kerzen bezahlt", so Voitsbergs Dechant Erich Linhardt. Die Gaben aus dem Opferstock brauche man ebenfalls für laufende Ausgaben, die monatlich anfallen.
Die Gehälter der Beschäftigten könnten damit aber nicht bestritten werden. "Die Pfarre Voitsberg ist jedoch in der glücklichen Lage, Grundstücke verpachten zu können", erklärt Linhardt. Dadurch sei es möglich, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, "ganz gegen den weltweiten Trend, Personal einzusparen". Denn Kostenminimierung auf dem Rücken der Mitarbeiter könne nicht des Wirtschaftskrisenrätsels Lösung sein: "Der Mensch braucht Arbeit, damit er sein Leben entfalten kann", ist die Ansicht des Dechants.
Der Personalstand des Voitsberger Pfarramtes hört sich wie der eines Kleinbetriebes an, nur hat man in einer weltlichen Firma nicht mit Geistlichen zu tun: Drei Priester, eine Wirtschafterin, zwei Pastoralassistenten, drei Sekretariats-Mitarbeiterinnen, ein Archivar und Mesner, ein Hausarbeiter und eine Raumpflegerin sind dort tätig. Dazu kommen noch zwei geringfügig Beschäftigte. "Es darf nicht nur um Gewinnmaximierung gehen, sondern man muss auf den Menschen schauen", ist Linhardt überzeugt, der danach trachtet, dass die Kirche im Dorf, besser gesagt, das Geld im Bezirk bleibt: "Seit ich hier arbeite, war jedes Jahr irgendwo im Pfarrverband eine Baustelle - ob im Eltern-Kind-Zentrum, in der Heiligenblutkirche oder in der Michaelskirche. Derzeit wird der Pfarrhof in St. Martin umgebaut. Das sind nur einige Beispiele für die Investitionen, die getätigt werden und die wiederum mithelfen, dass heimische Betriebe Arbeit haben."
Drei Anliegen der Pfarre Voitsberg seien bezüglich Erwerbsleben nämlich vorrangig: Schwache zu unterstützen, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten sowie Investitionen zu tätigen, um Gebäude zu sanieren oder umzubauen und damit die Wirtschaft zu unterstützen.
Features
Fakten
Die Kirche will unbürokratisch und schnell helfen: Die Bilanz der Caritas-Regionalstelle Voitsberg für das Jahr 2010 ist beachtlich. 11.434 Euro wurden für Unterstützung verschiedenster Art zur Verfügung gestellt. Das heißt, mit dem Geld sind laut Dechant Erich Linhardt für Notleidende Lebensmittelgutscheine gekauft sowie Miet- und Heizkosten beglichen worden, um Delogierungen zu verhindern.
Bargeld wird nicht verteilt. Kleider und Lebensmittel im Wert von rund 1250 Euro sind ausgegeben worden. 127 Mal fanden Beratungen statt.
Der Caritas-Markt in Voitsberg ist Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und Donnerstag von 15 bis 17 Uhr geöffnet.







