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Zuletzt aktualisiert: 29.01.2011 um 21:24 UhrKommentare

"Die Kirche muss sich auf die Straße stellen"

Die Diözese lud am Freitag an sechs steirischen Orten zu einem Gespräch auf Augenhöhe. In der Caritas-Schule in Graz wurde dabei auch über die Grundpfeiler der Kirche debattiert.

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Bischof Egon Kapellari brachte es in einer zugespielten Videobotschaft auf den Punkt: "Es geht um Sätze ohne Feindschaft und Aggression." Die katholische Kirche Steiermark lud von Liezen bis Leibnitz zu sechs Gesprächsrunden - Kapellari war in Kapfenberg. In die Caritas-Schule in Graz kamen an die 100 Gäste - viele von ihnen waren Menschen, die sich auch jetzt schon aktiv um die Kirche bemühen. Die Palette der Diskussionsthemen war dennoch oder gerade deshalb reichhaltig.

Nach außen tragen

"Die Verkündigung muss künftig eine zentrale Rolle spielen", forderte etwa ein Diskutant. Und nicht nur in der Kirche, sondern auch auf dem Arbeitsplatz, in der Freizeit. Ein Punkt, den auch Peter Rudolf Hager von der Plattform "Wir sind Kirche" betonte: "Die Kirche muss sich auf die Straße stellen." Erst diese Woche habe die Plattform diesen Versuch selbst unternommen und gute Erfahrungen gemacht.

"Können nicht alle Wünsche erfüllen"

KAPFENBERG. An allen Orten gab es zum Einstieg ein Video mit einer Grußbotschaft von Bischof Egon Kapellari. In Kapfenberg gab es einen "Live-Einstieg", dort stellte sich Kapellari selbst den Fragen der Besucher. Zum Thema Zölibat meinte der Bischof etwa, die Ehelosigkeit sei Bedingung für das Priesteramt. Wenn das für Einzelne nicht lebbar sei, sei ein ehrlicher Weg besser. Zur Verlängerung seiner Amtszeit um zwei Jahre meinte Kapellari, er sehe sich als "brauchbaren Bischof".

"Wir werden nicht alle verstehbaren Wünsche, die heute geäußert worden sind, erfüllen können", sagte der Bischof abschießend und rief die Katholiken zu mehr Selbstbewusstsein auf.

Pfarrer Hermann Glettler - er brachte (seine) Kirche durch diverse Kunstaktionen im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder ins Gespräch - plädierte für eine Institution mit einem fröhlichen, frischen Gesicht voller Leben, in der Glaube ausbuchstabiert werde. "Wir müssen uns fragen, wie wir das Evangelium an die Menschen von heute wieder heranführen können", forderte Glettler. In einer neuen Art Gottesdienst zu feiern, war eine mögliche Antwort eines Mitdiskutanten.

Eingehend diskutiert wurde auch das Thema Frauen in der Kirche. Es sei ein unlösbarer Konflikt, meinte etwa Edith Pfeiffer, Generalsekretärin der Caritas der Diözese Graz-Seckau - "auch in mir". Trotz allem müsse aber gesagt werden, dass in der Kirche mehr über Frauen diskutiert werde als in der Gesellschaft an sich. Und das dürfte auch noch länger so bleiben, wenn es nach der Einschätzung von Weihbischof Franz Lackner geht: "Es wird keine radikalen Änderungen geben." Eine komplette Abkapselung vom Vatikan sei jedoch die falsche Antwort. Die Vertreter der steirischen Kirche dürften den Kontakt nach Rom nicht abreißen lassen. Und: "Unser Gott ist ein Gott der Überraschungen."

MONIKA SCHACHNER

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