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Zuletzt aktualisiert: 17.12.2010 um 20:16 UhrKommentare

Ein glückloser Offizier und Gentleman

Er war Schüler und Freund des Bildhauers Auguste Rodin: Der Maria Lankowitzer Franz Josef Unterholzer hat für eine Köflacher Familie eine Krippe aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt.

Wenn zu Weihnachten die Krippen aufgestellt werden, ist manches lieb gewonnene Exemplar dabei. Oft über Jahrzehnte gepflegt, gehören diese Darstellungen der Geburt Christi zur Haustradition. Eine einzigartige und künstlerisch hochwertige Krippe nennt die Familie von Adolf Erlbeck in Köflach ihr Eigen. Sie wurde von einem der bedeutendsten Künstler der Region, dem im Jahr 1880 in Maria Lankowitz als Bergarbeitersohn geborenen Franz Josef Unterholzer, gefertigt.

"1936 hat er sie aus Dankbarkeit und auch aus Freundschaft für meinen Vater Adolf Stölzle geschnitzt", erinnert sich die nunmehr 88-jährige Gertrude Erlbeck. "Damals schwemmte ein Hochwasser im Katzbachgraben einen großen Holzstamm an, diesen verwendete Unterholzer für die Krippe."

Das Kunstwerk ist aus einem einzigen Stück gearbeitet. "Nur die Figuren im Inneren sind eingesetzt", weist Adolf Erlbeck auf eine Besonderheit hin. Die Figuren der Heiligen Familie, der Hirten und der drei Könige zeugen vom großen Können des Künstlers, die Engel sind von seltener Eleganz. "Zusätzlich haben wir außer anderen Werken von Unterholzer noch einen geschnitzten Christbaumständer in unserem Familienbesitz", freut sich Adolf Erlbeck über die Kunstwerke. "Er zeigt mehrere Darstellungen um die Geburt Christi, so auch die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten."

Schüler

Über das bewegte Leben des international anerkannten Künstlers kann Gertrude Erlbeck allerhand erzählen. "Unterholzer war ein Gentleman, eine noble Erscheinung" erinnert sich die Seniorin. "Er konnte mit Hilfe der Patres von Maria Lankowitz maturieren und studierte dann an der Kunstakademie in Wien." Auch der Historiker Ernst Lasnik widmet Unterholzer ein ausführliches Kapitel in seinem Standardwerk "Rund um den Heiligen Berg."

Der Künstler wirkte einige Jahre in Paris und war ein Freund und Schüler des weltbekannten Bildhauers Auguste Rodin. Er besaß in der Seine-Metropole ein eigenes Atelier.

Durch den Ersten Weltkrieg, an dem Unterholzer freiwillig als Frontoffizier mitmachte, verlor er nicht nur all seine Habe, Modelle und Entwürfe, sondern auch seinen Lebensinhalt. So kam er, wie berichtet wird, vereinsamt und verarmt nach Köflach zurück.

"Hier in der Weststeiermark fand der geniale Künstler eine Reihe von Gönnern, die ihn mit Aufträgen finanziell über Wasser gehalten haben", weiß Gertrude Erlbeck. "Unterkunft fand er in unserem Landhaus im Katzbachgraben. Bekam er jedoch Geld für seine Arbeiten, war es ziemlich schnell wieder weg. Er konnte nämlich tagelang im Wirtshaus sitzen."

So war es auch mit dem Honorar für die Umgestaltung des romanischen Karners in Köflach zu einem Kriegerdenkmal. "Der Lohn war längst vor der Fertigstellung kassiert und auch verbraucht, sodass er sich zur Einweihung des Denkmals als weiteres Honorar einen Steireranzug erbat", schreibt Lasnik in seinem Buch.

Und so erinnern noch zahlreiche Werke - wie zum Beispiel Hauskreuze, Muttergottesstatuen, Waschrumpeln aus Marmorstein, Büsten oder Medaillen - im Bezirk Voitsberg an Unterholzer. Es handelt sich dabei um Schätze, die der geniale, jedoch verarmte und haltlose Künstler aus Dankbarkeit für erhaltene Gaben anfertigte.

Franz Josef Unterholzer, der fast in Vergessenheit zu geraten droht, war ein epochaler Kunstschaffender. Er starb 1952 im Alter von 72 Jahren in Köflach. Sein Grab findet man auf dem Voitsberger Friedhof.

KARL MAYER

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