"Kotter" für den Sensenschmied
Bereits mit fünf Jahren durfte Cornelia Blühwald beim Ministrieren in der Kainacher Pfarrkirche helfen. Inzwischen "dirigiert" sie die ganze Schar.
A uch die Pfarrkirche von Kainach gehört zu jenen Gotteshäusern, die in der für den Bezirk Voitsberg so bedeutungsvollen Urkunde des Landschreibers Wittigo aus dem Jahre 1245 erwähnt wird. Wann die erste Kirche gebaut wurde, ist aber nicht sicher. Für ein hohes Alter der Kainacher Pfarre spricht auch das Kirchenpatrozinium zum Heiligen Georg. Das obere Kainachtal gehörte einst zur Mutterpfarre Piber, die bis 1786 dem Benediktinerstift St. Lambrecht inkorporiert war. Darauf weisen heute noch einige Darstellungen und Abbildungen hin.
Dass die Pfarre durch Jahrhunderte von der Landwirtschaft geprägt war, sieht man an den Heiligenfiguren. An den Seitenaltären finden sich die Viehpatrone Oswald und Pankratius ebenso wie Katharina, Barbara, Agatha und Notburga. Beim Kreuzaltar befindet sich ein Taufstein aus dem Jahre 1623 und darüber ein spätes Werk von Professor Franz Weiß, die Taufe Jesu darstellend. Imponierend ist die Kanzel, auf deren Schalldeckel die Statue des Erzengels Michael thront.
Eine Besonderheit ist der um 1750 auf Initiative des "Sengsenschmiedes" (so die Inschrift auf seinem Grabstein an der Kirchenaußenmauer) Wolfgang Riedl unter der Orgelempore errichte "Schmiedenchor". Damit schuf er für seine damals in Kainach so bedeutende Zunft einen eigenen Platz in der Kirche. Im Volksmund erhielt der für ihn reservierte Platz bald den etwas abfälligen Namen "Schmiedenkotter". An der Brüstung des reich verzierten Schmiedenchores findet sich auch eine Abbildung des Kaiserwappens mit der Mariazeller Madonna und dem Schatzkammerbild.
Ministrantin
Sie ist erst ganze 18 Jahre jung, dient jedoch seit 13 Jahren in der Pfarrkirche Kainach: "Ja, ich durfte schon mit fünf Jahren beim Ministrieren helfen", schmunzelt die Studentin Cornelia Blühwald, "damals hat mich eine Freundin zur Ministrantenstunde mitgenommen. Und ich bin auch heute noch als Ministrantin aktiv". In der Zwischenzeit hat die junge Dame noch zusätzliche Verantwortung übernommen: Sie leitet die derzeit 16-köpfige Ministrantenschar von Kainach. "Ich übernahm diese Aufgabe von Pfarrschwester Chiara", so Blühwald. Jeden Samstag am Vormittag hält sie die Ministrantenstunde, weist die Anfänger in die Aufgaben bei der Messe ein und dirigiert die Minis unauffällig im Hintergrund, wenn diese noch unsicher agieren.
"Am Kirchengebäude in Kainach gefällt mir, dass es so groß, hell und freundlich ist. Die Schwestern Chiara und Lima schmücken den Volks- und den Hochaltar immer liebevoll, auch die Heiligenfiguren wirken freundlich." Am Eindruckvollsten findet sie den Hochaltar. "Ich bin gerne hier. Auch, weil Engelbert Buc immer Zeit für ein kurzes Gespräch hat. Und man kann jederzeit zu ihm kommen."
Features
SPÄTGOTISCHER TURM
Barock. Die Kainacher Pfarrkirche St. Georg ist in ihrer heutigen Form ein barocker Bau und wurde in den Jahren 1722 bis 1725 erbaut. Eine Ausnahme ist der mächtige, spätgotische Turm, der 1587 vollendet wurde. Auf diese Zeit weisen noch zwei bei der Außenrenovierung im Jahre 1975 freigelegte bemalte Wappenschilder hin. An den Außenwänden ist noch eine Reihe von Grabsteinen aus verschiedenen Epochen erhalten. Sie geben mit ihren Inschriften einen interessanten Einblick in die wirtschaftlichen Gegebenheiten des Ortes.
Innenraum. Der Innenraum besticht durch seinen mächtigen Hochaltar. Das Hochaltarbild zeigt den Pfarrpatron, den hl. Georg, in einem leuchtend roten Mantel.









