Pyramidenspiel: 65 Verdächtige angezeigt
Die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem verbotenen Pyramidenspiel in der Weststeiermark laufen auf Hochtouren. Es gibt immer mehr Beschuldigte. Ein Ende der Ermittlungen ist nicht absehbar.

Foto © Victor Soares - FotoliaWährend die Drahtzieher und die Mitglieder der oberen Hierarchie Gewinne schrieben, wurde die "untere Schicht" kräftig zur Ader gelassen. Mindestens 5000 Euro mussten für die Teilnahme am Pyramidenspiel bezahlt werden, Gewinne zu erzielen war für die Neueinsteiger aber kaum möglich
"Wir halten schon bei 65 Beschuldigten", sagt Staatsanwalt Hansjörg Bacher. "Und es kommen noch immer welche dazu. Die Erhebungen der Polizeiinspektion Voitsberg laufen auf Hochtouren. Die Beamten sind sehr engagiert." Kräftig unterstützt werden die Voitsberger Ermittler von den Beamten der Kriminalaußenstelle Niklasdorf.
Ein Ende der Ermittlungen im Zusammenhang mit einem verbotenen Pyramidenspiel, das "Schenkkreis", "Chart" oder "Unternehmensforum" genannt wird, ist nicht absehbar. Es sind bereits mehr als 400 Geschädigte bekannt. Auch die Schadenssummer ist mittlerweile auf mehr als vier Millionen Euro angestiegen.
13 Hauptverdächtige
Unter den 65 Beschuldigten befinden sich 13 "Chartführer", also Personen, die das Pyramidenspiel in Gang setzten und daher in der Hierarchie ganz oben standen. Dazu zählen - wie exklusiv berichtet - auch zwei Ex-Gendarmen. Einer von ihnen kassierte mit seiner Familie mehr als eine Million Euro, während viele Polizisten, die sich ebenfalls am verbotenen Pyramidenspiel beteiligten, hohe Verluste in Kauf nehmen mussten.
Zum Thema
Gegen diese 13 Chartführer wird wegen Verdachtes des schweren gewerbsmäßigen Betruges ermittelt. Ihnen drohen im Falle eines Schuldspruches bis zu zehn Jahren Haft. Mit schwerwiegenden Konsequenzen muss auch jener Beamte des steirischen Landeskriminalamtes rechnen, der Dienstag früh vom Dienst suspendiert wurde. Er steht unter Betrugsverdacht. "Als wir die Unterlagen gesehen haben, konnten wir nicht mehr zuschauen. Wir mussten handeln", sagt Generalmajor Wolfgang Lackner, stellvertretender Landespolizeikommandant.
Unter den 65 Verdächtigen befinden sich noch zahlreiche andere Polizeibeamte, die ebenfalls Kunden geworben hatten. "Das ist strafbar", sagt der Staatsanwalt. Deshalb droht allen jenen, die aktiv dazu beigetragen haben, das Spiel in Gang zu halten, ein Gerichtsverfahren. Die Polizisten müssen zusätzlich noch mit disziplinären Maßnahmen rechnen. Wolfgang Lackner: "Es gibt eine Weisung des Innenministeriums, die Polizeibeamten verbietet, an einem Pyramidenspiel teilzunehmen." Man warte auf die End-Anzeige, danach werde jeder Fall intern untersucht.
Weiteres Verfahren
Bei der Staatsanwaltschaft Graz ist derzeit noch ein ähnliches Verfahren im Zusammenhang mit einem anderen Pyramidenspiel anhängig. In diesem Fall wurden Interessenten zu Seminaren eingeladen. Dort erhielten sie einen "silbernen" Koffer mit Unterlagen. Dafür mussten sie 5500 Euro berappen. Für den Fall, dass sie weitere Kunden werben, wurde ihnen Geld versprochen. Auch in diesem Fall meldeten sich zahlreiche Geschädigte. Die Arbeiterkammer führte bereits Musterprozesse.








