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Zuletzt aktualisiert: 26.05.2010 um 20:30 UhrKommentare

"Eine Werkstatt unter freiem Himmel"

Steiermarkweit wird Kernöl heuer zur Mangelware. Aufgrund der großen Ernteeinbußen im vergangenen Jahr werden auch die Vorräte der Kürbiskernbauern im Bezirk Voitsberg knapp. Das derzeitig schlechte Wetter lässt einige Landwirte sogar um die heurige Ernte bangen.

"Wir hatten 2009 um 50 Prozent weniger Ertrag als in einem Durchschnittsjahr. Die ungünstige Witterung in der Blütezeitaufgrund wirkte sich negativ aus und aufgrund des vielen Regens im Herbst schimmelte der Großteil der Kürbisse weg", weiß Josef Jocham, der seit zehn Jahren Kürbiskernbauer in Krottendorf ist. Seit zwei Monaten verkauft Jocham kein Kernöl mehr. "Der Vorrat reicht gerade noch für die Familie und einige Stammkunden. Wir werden zwar immer wieder nach Öl gefragt, aber leider haben wir nicht mehr genug", berichtet Jocham.

Kerne zuzukaufen kommt für den Krottendorfer nicht in Frage. "Die Kerne entsprechen nicht der steirischen Qualität und darüber hinaus sind sie überteuert", so Jocham. Echtes steirisches Kernöl ist an einer speziellen Banderole erkennbar. Der Mangel an grünem Gold lässt die Kürbiskernölpreise auch im Handel explodieren.

"Der Preis pro Kilo Kerne hat sich auf sechs Euro verdoppelt, doch wenn es keine Kerne mehr gibt, bringt diese Erhöhung auch nichts", betont Hans-Kürgen Reinprecht, Kammersekretär der Landwirtschaftskammer Voitsberg. Reinprecht beurteilt die Preiserhöhung eher problematisch, denn er befürchtet, dass man die Kunden dadurch auf längere Sicht verliert, weil sie auf andere Produkte umstellen. Was die heurige Ernte betrifft, bereiten die niedrigen Temperaturen den Kürbiskernbauern Sorgen. "Man kann zwar alles richtig machen, aber auf das Wetter hat man leider keinen Einfluss", berichtet Reinprecht. Und so können die Landwirte nur auf baldigen Sonnenschein hoffen.

"Wir haben eben eine Werkstatt unter freiem Himmel. Teilweise hatten wir im Mai in der Nacht sogar noch Frost. Das ist sehr schlecht, denn der Kürbis ist eine der empfindlichsten Gemüsesorten, die es gibt", ist Jocham, der Obmannstellvertreter der Kürbisputzgemeinschaft des Bezirks Voitsberg ist, etwas frustriert. Dieser Gemeinschaft, die 2004 gegründet worden ist, gehören mehr als 100 heimische Kürbiskernbauern an. "Auf diese Weise können wir die Ernte gemeinschaftlich organisieren", so Jocham, der auf ein Kürbisjahr wie 2003 hofft. "Damals war der Sommer extrem heiß und wir hatten pro Hektar 1000 Kilogramm Kerne, im vergangenen Jahr waren es im Vergleich dazu nur rund 300", erinnert sich der Kürbiskernbauer..

CHRISTIANE FRÜHWIRTH

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