Das Zünglein an der Waage
"Namenslisten" geben nach der Wahl oft den Ausschlag, wer im Bürgermeistersessel Platz nimmt.

Foto © Karl MayerBis Freitag 13:00 Uhr konnten Wahlvorschläge abgegeben werden, die Einspruchsfrist endet in der nächsten Woche
Am Freitag lief um 13 Uhr die Frist ab, bis zu der die Wahlvorschläge der einzelnen politischen Parteien beziehungsweise der "Namenslisten" bei den Gemeindewahlbehörden eingebracht werden mussten. Und seither weiß man, wer in Verhandlungsgemeinden unter Umständen als "Königsmacher" fungieren könnte.
Endgültig stehen die wahlwerbenden Gruppierungen in den einzelnen Gemeinden jedoch erst in der kommenden Woche fest. Wenn dann die Einspruchsfrist abgelaufen ist und die Gemeindewahlvorschläge offiziell kundgemacht werden, kann man mit dem Druck der Stimmzettel für den Wahltag am 21. März beginnen.
Als einzige wahlwerbende Gruppe tritt die ÖVP in allen 25 Gemeinden des Bezirkes Voitsberg an, die SPÖ in 24 Kommunen. Denn in Modriach konnten die Sozialdemokraten, wie schon bei vorhergegangenen Wahlgängen, keinen Kandidaten namhaft machen.
Voraussichtlich in sieben Gemeinden (Voitsberg, Köflach, Bärnbach, Edelschrott, Geistthal, Stallhofen und Kainach) bewirbt sich das BZÖ um Sitze im Gemeindeparlament. Dabei werden teilweise ehemalige FPÖ-Kandidaten, aber auch junge Kräfte in Stellung gebracht.
Die Kommunisten treten in Voitsberg, Bärnbach und Köflach an, die Grünen in vier und die Freiheitlichen in zwölf Gemeinden.
Seit der jüngsten Gemeinderatswahl stellen SPÖ und ÖVP in jeweils zwölf Kommunen das Gemeindeoberhaupt, in Salla ist ein Freiheitlicher am Ruder. Und in diesem kleinen Bergdorf mit seinen rund 250 Wahlberechtigten dürfte es auch heuer wieder spannend werden. Vor fünf Jahren lag nämlich die FPÖ mit Bürgermeister Johann Haller an der Spitze - um drei Stimmen vor der wiedererstarkten ÖVP. Haller wurde von der zur Ein-Mandat-Partei geschrumpften SPÖ wiederum zum Bürgermeister gewählt. Im Gegenzug dafür ließ sich SPÖ-Spitzenkandidat und Gemeindesekretär Herbert Kassler zum "Vize" küren. Diesmal tritt Haller auf der FPÖ-Liste nicht mehr als Bürgermeisterkandidat an, ließ sich jedoch an die fünfte Stelle reihen.
Namensliste
Heiß umkämpft ist auch Kohlschwarz. Dort lag die ÖVP mit Hans Pongritz zwar um 14 Stimmen vor SPÖ-Mann August Bachatz: Beide erhielten je vier Madate. Rudolf Scherz, der mit seiner Namensliste ein Mandat errang, gab aber mit seiner Stimme für Bachatz den Ausschlag.
In Krottendorf-Gaisfeld schaffte die SPÖ mit Ewald Raudner mit einem hauchdünnen Vorsprung von zwei Stimmen ein Mandat mehr als die ÖVP, die Namensliste Erker erreichte zwei Sitze und schloss mit der ÖVP, bei der Johann Feichter nach der Wahl das Kommando übernahm, einen Pakt. Es kam zu einer Teilzeitlösung, bei der zuerst Erker, dann Feichter das Amt des Bürgermeisters ausübte.
Für Überraschungen könnten letztendlich "Namenslisten" sorgen: In einigen Kommunen sind sie - wie 2005 in Kohlschwarz und Krottendorf-Gaisfeld - vielleicht das Zünglein an der Waage. Mandate haben sie bei der Wahl 2005 in sechs Gemeinden geschafft. Diesmal findet man sie auf den Stimmzetteln nur in fünf Ortschaften: in Edelschrott, Köflach, Kohlschwarz, Krottendorf-Gaisfeld und Voitsberg.
Weniger Spannung ist in den Städten und Kommunen des Kernraumes zu erwarten. Die SPÖ verfügt nämlich über eine komfortable Mehrheit. Mehr als zu Achtungserfolgen der anderen Parteien wird es kaum kommen.
Features
Zum Thema
Fakten
Wahl. In Krottendorf-Gaisfeld und in Kohlschwarz haben bei der Wahl 2005 Namenslisten bei der Bürgermeisterkür den Ausschlag gegeben. Die Liste Walcher tritt diesmal in St. Johann-Köppling nicht mehr an. In folgenden Gemeinden kann man diesmal - außer den bekannten Parteien - eine Namensliste ankreuzen:
Voitsberg: Bürgerliste Voitsberg, vormals Fischers Bürgerliste, vormals Bürgerliste Voitsberg.
Köflach. DFK (Demokratisch, frei kreativ).
Kohlschwarz. Namensliste Scherz.
Krottendorf-Gaisfeld. Unabhängige Gemeindeliste Erker.
Edelschrott. Wirtschaftsliste.







