Knochen von elf Menschen in Kapelle entdeckt
Wappen oder Inschriften könnten Aufschluss geben: Die Suche nach der Grablege der Wagensperger-Brüder wird fortgesetzt.

Foto © Lydia Lasutschenko
Zuvor war man lediglich auf Vermutungen angewiesen: Seit November des Vorjahres ist jedoch gewiss, dass unter dem Fliesenboden der Loretokapelle Menschen bestattet worden sind. Wer und wie viele Personen dort die letzte Ruhe gefunden haben, ist noch nicht bekannt, soll aber geklärt werden. Fest steht, dass sich unter einem Ziegelgewölbe zwei Prunksärge befinden (die Kleine Zeitung berichtete).
Beim Ausleuchten des Gewölbes wurde der Teil des zweiten Sarges, der nicht unter, sondern hinter dem ersten - in Richtung Altar - steht, entdeckt. Es fehlen aber noch eindeutige Hinweise, ob es sich bei den beiden Verstorbenen um die Brüder Franz Anton Adolf und Sigmund Rudolph Wagensperg, einen Bischof und einen Landeshauptmann, handelt. Einer - und zwar der geistliche Würdenträger - ist 1723 verstorben, sein Bruder 1734.
Damit man mit 100-prozentiger Sicherheit sagen kann, wer sich in den zwei Särgen liegt, "muss das Gewölbe entfernt werden", so Dechant Erich Linhardt. Denn erst dann habe man freie und somit gute Sicht. Wappen oder Inschriften könnten Aufschluss geben.
Ob die Särge nach dem Abtragen der Ziegel - das Bundesdenkmalamt muss dieser Arbeit zustimmen - geöffnet werden, ist für Linhardt keineswegs die entscheidende Frage: "Es geht nicht so sehr um die Bestattungskultur, also ob die Toten in schlichte Hemden oder prächtige Gewänder gekleidet wurden, ob man ihnen Gegenstände, wie Kreuz oder Bischofsstab oder -ring, mitgegeben hat. Es könnte auch sein, dass man ihnen die Zähne, wie bei Maximilian I., herausgebrochen hat", erklärt der Dechant. Vielmehr soll sichergestellt sein, dass sich in der Loretokapelle die Grablege der Wagensperger befindet, wie auch in einem 1994 erschienen Kirchenführer angedeutet wird.
Männer, Frauen, Kinder
Gleich nach dem Abtragen der Bodenfliesen sind Knochen sowie Sargnägel gefunden worden. Die Gebeine lagen verstreut unter einer nur zehn Zentimeter dicken Erd- und Mörtelschicht. Ging man anfangs davon aus, dass sich darunter die Knochen von mindestens drei Kindern befinden, ist laut Linhardt mittlerweile festgestellt worden: "Sie stammen von mindestens elf verschiedenen Personen - von Männern, Frauen und Kindern."
Diese Gebeine würdig zu bestatten, ist Linhardt ein Anliegen. Das dürfte auch kein großes Problem darstellen. Was jedoch mit den beiden metallenen Prunksärgen geschehen soll, will nach Meinung des Dechants gut überlegt sein: So könnte man sie in der Kapelle belassen und mit Glasplatten abdecken, damit sie sichtbar bleiben. Allerdings müsste dieser Teil der Kapelle dann gesperrt bleiben.
Eine andere Möglichkeit wäre, die Brüder in der Josefskirche zu bestatten. Dort sind schon jetzt Bilder von ihnen zu sehen sowie Inschriften, eine davon weist auf die Bestattung in der Loretokapelle hin. "Sollte bei den Grabungsarbeiten wirklich die Grablege der Wagensperger entdeckt worden sein, muss die weitere Vorgangsweise gemeinsam mit Experten überlegt werden", erklärt Linhardt.









