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Zuletzt aktualisiert: 05.11.2009 um 00:43 UhrKommentare

Sand im Getriebe des Schneeballsystems

Nach dem Rauswurf der "Seminar-Keiler" aus dem Flughafen, will KPÖ eine steiermarkweite Lösung finden, damit diesem Schneeballsystem laut Veranstaltungsgesetz ein Riegel vorgeschoben wird.

Versprochen waren mehrere hunderttausend Euro in wenigen Monaten: Verdienen kann nur, wer im Schneeballsystem viele Teilnehmer wirbt, die jeweils rund 5700 Euro für Seminare hinblättern

Foto © APA/SujetVersprochen waren mehrere hunderttausend Euro in wenigen Monaten: Verdienen kann nur, wer im Schneeballsystem viele Teilnehmer wirbt, die jeweils rund 5700 Euro für Seminare hinblättern

Während in der Polizeiinspektion Voitsberg mit Hochdruck an der Sichtung der beschlagnahmten Unterlagen zum Pyramidenspiel Chart oder Schenkkreis gearbeitet wird, ist bei den Teilnehmern das "große Zittern" angesagt. Bei den Vernehmungen tauchen wechselseitige Beschuldigungen auf, zudem liegt genügend Beweismaterial vor, das in weiterer Folge mit einem ausführlichen Bericht an den engagierten Staatsanwalt Hansjörg Bacher in Graz weitergeleitet wird.

Auch bei den "Seminar-Verkäufern", die hochpreisige Vorträge anbieten und im Schneeballsystem weitere "Bildungshungrige" suchen, kommt Sand ins Getriebe. Immer mehr Teilnehmer, die sich geneppt fühlen, wollen ihren Einsatz in Höhe von rund 5700 Euro zurück - wie bereits berichtet, sind schon etliche Zivilprozesse über die Arbeiterkammer im Gang.

Ernest Kaltenegger und der KPÖ ist es unter anderem zu verdanken, dass die Schweizer "Seminar-Keiler" heimatlos wurden und im Flughafen Graz keine Veranstaltungen machen dürfen. "KPÖ-Gemeinderätin Ingeborg Bergmann hat den zuständigen Stadtrat Gerhard Rüsch gefragt, was er als Beteiligungsreferent unternehme, damit die Vermietung des ,Hauses Graz' an dubiose Gesellschaften, die Pyramidenspiele betreiben, in Zukunft vermieden wird", schildert Kaltenegger. Rüschs Antwort lautete: "Mittlerweile ist der Vertrag von der Flughafen GmbH gekündigt worden. Sie haben jedenfalls meine volle Unterstützung, dass weder in den Räumen der Stadt, noch in den Konferenzräumen unserer Beteiligungen Vermietungen an solche dubiosen Spiele-Veranstalter stattfinden sollten."

Damit gibt sich Kaltenegger noch nicht zufrieden: "Wir bleiben an der Geschichte dran, weil die Betreiber sonst von Halle zu Halle wandern. Wir streben eine steiermarkweite Lösung an, damit wir solche Auswüchse generell unterbinden können, eventuell über das Veranstaltungsgesetz."

Jürgen Lehner, Chefredakteur des "Klipp-Magazins" wurde aufgrund seiner Berichte geklagt und hat mittlerweile einen Vergleich mit der Gegenseite geschlossen. "Bei der Verhandlung erfuhr ich, dass die Firmen aus der Steiermark und der Schweiz, die auf ähnliche Weise agieren, gegeneinander prozessieren. Es soll um das Stehlen der Geschäftsidee gehen."

ANDREA KRATZER

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