Das "Glück" kostet rund 5600 Euro
Im Schneeballsystem werden teure Seminare verscherbelt und weitere Opfer gesucht, die ebenfalls einsteigen. Ein Voitsberger war dabei und warnt andere vor diesem System.
Es ist zwar kein Schenkkreis beziehungsweise Pyramidenspiel, bei dem es nur um die Weitergabe von Geld geht, aber es funktioniert ähnlich und sein Bares wird man auch los, wie ein Leser aus Voitsberg eindrucksvoll schildert: "Ein Freund lud mich zur Veranstaltung nach Ludersdorf ein. Ich wurde kurz davor arbeitslos und wollte mir daher unverbindlich anhören, wie man sich selbstständig machen kann", schildert der Voitsberger, warum er 20 Euro Eintritt für ein Seminar einer Schweizer Firma zahlte.
"Am Parkplatz wurden wir von Leuten mit weißen Handschuhen eingewiesen. In erster Reihe parkten die schönsten Autos - man bekam das Gefühl, hier tummeln sich die Reichsten der Reichen."
Bevor es losging, wurde ein opulentes Frühstück serviert, das der Freund des Voitsbergers bezahlen musste. Auch die Getränke gingen zulasten des Einladers, "vermutlich damit man ein schlechtes Gewissen hat, wenn man nicht mittut." Danach referierte ein "sportlicher Typ" über Finanzen und wie man sein Geld gewinnbringend anlegen kann. "Noch vor Beginn des Vortrages standen Einklatscher auf und jubelten dem Mann zu."
Schneeballsystem
Erst später ging es ans "Eingemachte". "Wir erfuhren, dass man 500 Euro bekommt, für jeden, den man anwirbt und der auch bezahlt. Also eine Art Schneeballsystem. In der Pause umringten mich viele Leute und redeten auf mich ein, wie super das sei und dass man locker 300.000 Euro in nur neun Monaten verdienen kann", erzählt der Leser.
Im kleinen Saal mussten sich danach die neuen Interessenten mit ihren "Sponsoren" aufstellen. "Die Person, die euch eingeladen hat, will, dass ihr etwas erreicht. Schaut dieser Person tief in die Augen: Glaubt ihr, dass dieser Mensch euch betrügen will?" lautete die suggestive Frage. "Danach sollten wir zehn bis 15 Namen auf einen Zettel schreiben. Von Leuten, denen wir dieses Glück auch gönnen."
Erst viel später wurde den Teilnehmern mitgeteilt, was das "Glück" kostet: "5400 Euro für Seminare, die man als Gegenleistung bekommt und 200 Euro, damit man Leute anwerben und damit auch kassieren darf." In der vierten Stunde sei die exzellent aufbereitete "Show" noch weitergegangen: "Ein ,Mitarbeiter' wurde auf die Bühne geholt und bekam eine Ehrennadel aus 18 Karat Gold. Dieser Mann weinte vor Rührung", erklärt der Voitsberger wie die "Dramaturgie" im Laufe des Vormittags gesteigert wurde.
Kredit
Erst zu diesem Zeitpunkt sollte der Einstieg fixiert werden. "Wenn man nicht flüssig ist, bekommt man sogar einen Kredit angeboten", wundert sich der Voitsberger, der sich geschickt aus der Affäre zog und erklärte, er habe beim Vortrag nicht alles verstanden. Die Initiatoren boten ihm daraufhin an, sogar nach Voitsberg zu kommen, um ihn nochmals zu informieren. Rascher entschlossen war hingegen ein Ehepaar aus der weststeirischen Bezirksstadt: "Die beiden, die ich zufällig kenne, haben mir erklärt, dass sie einen Kredit aufgenommen haben, um sofort einsteigen zu können", so der Voitsberger, der andere Leser vor einem übereilten Einstieg warnen möchte.Jene Schweizer Firma, die das System betreibt, wurde erst am 13. Februar in das Schweizer Handelsregister eingetragen. Geschäftsführer ist ein deutscher Staatsangehöriger, mit Wohnsitz bei den Eidgenossen. An der gleichen Firmenadresse sind rund ein dutzend Firmen mit fast identischem Zweck, aber anderem Namen eingetragen. Ähnlich agiert man bei einer steirischen Firma: Für rund 5500 Euro bekommt man Seminare sowie Bücher und wirbt auch Teilnehmer an. Diese Sache ist beim LKA in Graz anhängig. Die Seminare kamen meist nicht zustande, weil sich zu wenige Teilnehmer meldeten. "Derzeit prüft der Staatsanwalt, ob das Sachwucher ist", erklärt Volker Pöschl vom LKA.







