Pyramidenspiel "Chart": Mehr als 500.000 Euro Schaden
Obwohl noch nicht alle Geschädigten befragt wurden, schaltete die Polizei Voitsberg die Staatsanwaltschaft ein. Chart-Führer sind verdächtigt, Listen beim Schenkkreis manipuliert haben.

Foto © KratzerAlfred Valeskini, Kriminalbeamter der Polizeiinspektion Voitsberg, berichtet von Drohungen durch die Ost-Mafia
Bisher haben sich bei uns weit mehr als 100 Geschädigte gemeldet, wir konnten allerdings erst 60 davon vernehmen. Die momentane Schadenssumme beträgt schon mehr als 500.000 Euro", berichtet Alfred Valeskini, Kriminalbeamter der Polizeiinspektion Voitsberg, über den Zwischenstand bei den Erhebungen über das Pyramidenspiel Chart, das in den vergangenen ein bis zwei Jahren massiv im Bezirk Voitsberg kursierte. "Wir haben jetzt einen Zwischenbericht an die Staatsanwaltschaft Graz übermittelt. Gegen einige Chart-Führer besteht der Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betruges, weil Hinweise vorhanden sind, dass die Chart-Listen manipuliert wurden", schildert Valeskini.
Aber auch andere Mitspieler, die ebenfalls Geld kassiert haben, müssen mit einer Anzeige wegen der Verbreitung des Pyramidenspiels rechnen. "Wir waren selbst überrascht, dass sich nach den Artikeln in der Kleinen Zeitung so viele Geschädigte gemeldet haben. Durch das Internet wurden sogar Geschädigte aus anderen Bundesländern aufmerksam und haben dann bei uns am Posten Voitsberg Anzeige erstattet", so Valeskini, dem auch Informationen vorliegen, dass Chart-Führer aus dem Voitsberger Raum auf ihre "Geldquellen" nicht verzichten wollen und nach wie vor Veranstaltungen vorwiegend außerhalb der Bezirksgrenzen anbieten, um neue Mitspieler anzuwerben. Aber man nehme die Besucher vorher genauer unter die Lupe.
Gerüchte. "Es sind schon Gerüchte aufgetaucht, dass ich persönlich involviert sein soll und dass ich wegen Erpressung angezeigt werde, falls wieder ein Artikel erscheint. Das kostet mich nur einen Lacher", so der Kriminalbeamte. Ernster werden andere Warnungen genommen: Kürzlich wurde eine Frau bedroht, dass sie mit Verstümmelungen durch die Ost-Mafia zu rechnen habe, falls sie Einsätze nicht zurückzahle. "Ich kann nur davor warnen, Geld von Chart-Führern mit Drohungen zurückzuverlangen. Geschädigte können sich weiterhin bei uns melden. Ich bin sehr optimistisch, dass jene, die sich an uns gewandt haben, noch eine gute Chance haben, einen Teil ihres Einsatzes erstattet zu bekommen", glaubt Valeskini.
Nicht nur beim Pyramidenspiel, bei dem sich sogar Kollegen aus anderen Bezirken den Voitsbergern anvertraut haben, hat man Erfolg: Voitsberg gilt steiermarkweit als erfolgreichste Kripo bei der Aufklärung, weil alle in der Polizeiinspektion Voitsberg ihren Teil dazu beitragen.
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Fakten
Schenkkreis. Beim Pyramidenspiel Chart, das auch als Schenkkreis bezeichnet wird, müssen Teilnehmer eine Schenkungsurkunde unterschreiben. Darin bestätigen sie, dass sie das Geld vollkommen aus freien Stücken verschenken und in keiner Weise dazu überredet oder verleitet wurden. Außerdem erklären die Mitspieler, dass sie keinerlei Rechte haben, das Eigentum zurückzufordern.
Strafgesetzbuch. Laut §168 a des Strafgesetzbuches werden Teilnehmer bestraft, die ein Ketten- oder Pyramidenspiel in Gang setzen oder veranstalten oder durch Zusammenkünfte, Prospekte oder auf eine andere zur Anwerbung vieler Teilnehmer geeignete Weise verbreiten. Eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren droht, wenn eine größere Zahl von Menschen schwer geschädigt wurde.









