Öko-Energie aus Hühnermist
Strom aus Hühnermist oder Pellets: Belgien und die Niederlande, zwei ökologische Niemandsländer, setzen auf Öko im industriellen Maßstab.

Foto © APNahe Rotterdam steht das erste Kraftwerk, das aus Hühnermist Strom erzeugt - 400.000 Tonnen Mist müssen jährlich an das Werk geliefert werden
Small is beautiful, die Lehre von der Eleganz der kleinformatigen Lösungen dominiert hierzulande die Debatte um die Bio-Energie. Doch anders als unsere Öko-Energie-Päpste setzen in der großen weiten Welt die Freunde der grünen Energie auf Lösungen im Industrie-Maßstab, um die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Das jedenfalls nahm eine Delegation des heimischen Biomasse-Verbandes bei einer Exkursion nach Belgien und in die Niederlande staunend zur Kenntnis.
Nahe Rotterdam steht das erste Kraftwerk, das aus Hühnermist Strom erzeugt. Austrian Energie & Environment (AEE, einst Waagner-Biro) hat das mehr als 100 Millionen Euro teure Werk zwischen ein Gaskraftwerk und eine Ölraffinerie gestellt. 400.000 Tonnen Hühnermist müssen die 800 vertraglich an das Werk gebundenen Landwirte im Jahr abliefern. Das sind pro Betrieb rund 1,4 Tonnen - am Tag. Die Leistung beträgt 31,4 Megawatt (MW).
Strom aus Pellets. Im belgischen Brügge etwa wurde ein Kohlekraftwerk für den Betrieb mit Holzpellets umgerüstet, eine Methode, die auch beim stillgelegten Kraftwerk Voitsberg zum Zug kommen soll. Die Weststeirer sollten sich die belgischen Erfahrungen aber genau ansehen. Mit 1200 Tonnen Pellets am Tag wird eine elektrische Leistung von 80 MW erzielt, verglichen mit 125 MW auf Kohlebasis. Entschwefelung oder Entstickung sind ein Fremdwort. Der Wirkungsgrad beträgt mangels Abwärmenutzung bescheidene 34 Prozent und das Werk kommt nicht ohne Subventionen aus.
Ausgangslage exzellent. Dabei ist die logistische Ausgangslage exzellent. Frachtkähne bringen die Pellets aus dem fernen Kanada direkt an die Kraftwerksanlage. Trotzdem sind die Kosten beträchtlich. Der feine Holzstaub bedeutet ständig höchste Explosionsgefahr. Allein drei Mann sind rund um die Uhr mit Besen, Kehrwagen und Staubsaugern unterwegs, um das Werk blitzsauber und die Explosionsgefahr gering zu halten.
Die Pelletsbranche frohlockt, muss aber acht geben: Die Belgier versuchen gerade, das Kraftwerk alternativ mit Olivenresten, Erdnussschalen oder Kaffeesatz zu befeuern.








