Pflege: "Manchmal sind sie wie kleine Kinder"
Die Pflege Familienangehöriger ist eine hohe psychische Belastung. Edith Schwarz pflegt ihre Mutter und stößt dabei immer wieder an ihre Grenzen.

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Mitterberg steht immer noch unter Schock. Franz B. tötete in der Nacht auf Samstag seine Schwiegereltern, die er jahrelang gepflegt hatte (wir berichteten). Eine furchtbare Tat, die nicht nachvollziehbar ist. Das mögliche Motiv - der 48-Jährige sei mit der Pflegesituation überfordert gewesen - macht auf ein Problem aufmerksam, das kein Einzelfall ist. In der Steiermark werden 21.000 Patienten daheim in der Familie gepflegt.
Aus Erfahrung. Auch Edith Schwarz (58) kann "die Wahnsinnstat nicht fassen". Obwohl sie aus eigener Erfahrung weiß, wie schnell man bei der Pflege eines Angehörigen an seine Grenzen gerät. Fünf Jahre lang pflegte die Weststeirerin ihre Schwiegermutter bis zu deren Tod: "Es gibt Phasen, da kommen Aggressionen hoch, doch zu so einer Tragödie hätte es niemals kommen dürfen".
Probleme im Alltag. Vor einer Woche ist ihre mittlerweile pflegebedürftige Mutter bei ihr und ihrem Mann eingezogen. Die Probleme im Alltag kennt sie nur zu gut: "Alte Menschen sind oft wie kleine Kinder. Sie wollen die volle Aufmerksamkeit. Und wenn sie die nicht bekommen, zeigen sie Trotzreaktionen. Dann wollen sie auf einmal nichts mehr trinken oder sie müssen andauernd aufs Klo. Da denkt man sich manchmal echt, ich halt' das nicht mehr aus."
Ablenken. In solchen Situationen müsse man einfach weg, meint Schwarz. "Man muss sich irgendwie ablenken. Danach ist alles schon nicht mehr so schlimm."
Kurs teilgenommen. Eine Erkenntnis, derer es eines langen Lernprozesses bedurfte. Beim Roten Kreuz nahm sie an einem viermonatigen Kurs teil, um die Grundlagen der Altenpflege zu erlernen. Und sie besucht die Selbsthilfegruppe der Frauenplattform Voitsberg. Zweimal monatlich treffen sich dort pflegende Angehörige zum Erfahrungsaustausch. "Aggressive Gedanken in der Pflege sind nach wie vor ein Tabuthema", meint Schwarz. "Aber ich habe immer darüber gesprochen. Man kann aus den Erfahrungen der anderen nur lernen."
Wichtiges Netzwerk. Deswegen war es eine leichte Entscheidung, auch noch die Pflege ihrer Mutter zu übernehmen. "Weil ich ein Netzwerk habe. Weil ich weiß, wo ich Informationen kriege und wo ich mir Hilfe holen kann." Einfach ist es dennoch nicht. Vom Frühstück bis zum Schlafengehen steht das Wohlergehen der Mutter im Mittelpunkt, auch in den Urlaub wird sie mitgenommen. Ob da noch Platz für persönliche Bedürfnisse bleibt? "Ich nehme mir jeden Tag eine Stunde für mich, da passt mein Mann auf die Mutti auf. Und wenn sie abends im Bett ist, haben wir Zeit für uns."
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Fakten
66.000 Pflegegeldbezieher gibt es in der Steiermark.
Etwa 9.000 sind stationär in einem Heim, 21.000 werden zu Hause von Familienangehörigen gepflegt. Dazu kommt eine unbekannte Dunkelziffer.
Infos für Betroffene unter: www.pflegedaheim.at







