Gebrochenes Genick als Inspiration
Auch aus einem Unfall kann eine große Karriere entstehen: Wie bei Gustinus Ambrosi, dessen Werke in einem Museum in Stallhofen zu bewundern sind.

Foto © Elisabeth TappaufFranz Feirer in der alten Bibliothek, die als Trauungssaal dient
Wenn man in Stallhofen vom "österreichischen Michelangelo" spricht, ist von Gustinus Ambrosi die Rede, der Bildhauer, Dichter und Philosoph in einem war. "Die weststeirische Marktgemeinde hatte sich der Künstler als seinen Alterssitz auserwählt und 1969 mit dem Bau des Hauses im toskanischen Stil begonnen", erzählt Franz Feirer, Amtsleiter der Gemeinde Stallhofen. Die Fertigstellung erlebte Ambrosi jedoch nicht mehr, da er 1975 nach schwerer Krankheit in Wien verstarb. Auf Begehren seiner dritten Ehefrau, Berta Mayer, wurde der Bau nach den Aufzeichnungen ihres Mannes vollendet. Da sie um eine sinnvolle Weiternutzung des Hauses bemüht war, stimmte sie einer Umgestaltung in ein Museum zu. 1985 beschloss schließlich der Gemeinderat den Ankauf des Hauses.
Statuen und Hochzeiten
Im Museum ausgestellt sind zahlreiche Statuen wie überlebensgroße Brunnenfiguren und Büsten von Politikern wie Leopold Figl, Karl Seitz und Julius Raab sowie weitere Figuren aus Gips, Bronze, Stein oder Marmor. Von einem der frühen Werke Ambrosis, "Der Mann mit dem gebrochenen Genick", ist Feirer besonders begeistert: "Die Geschichte dahinter ist einfach spannend. Ambrosi befand sich gerade in seiner Lehrzeit zum Stuckateur in Graz, als vor seinen Augen ein Arbeiter vom Gerüst stürzte und starb. Der Gesichtsausdruck des Verunglückten inspirierte ihn zu dieser Figur."
Eingerichtet ist das Museum nach den Vorlieben Ambrosis, der Antiquitätenliebhaber war. "Er sammelte Möbel aus der Zeit der Renaissance, Bücher sowie alte Schriften und Skizzen. Ich glaube, er hat so gut wie nichts weggeworfen", erzählt Feirer.
Eine Besonderheit gibt es im Museum auf jeden Fall. Alle, die in Stallhofen "Ja" sagen wollen, können sich in der früheren Bibliothek des Ambrosi-Hauses standesamtlich trauen lassen. "Das ist gut angekommen. Brautpaare und Gäste sind von dem Ambiente begeistert." Neben Trauungen gibt es in der Volksschule einen Ambrosi-Schwerpunkt, bei dem Führungen für die Schüler angeboten werden.
Features
FAKTEN
Das Ambrosimuseum ist nur auf Anfrage im Gemeindeamt Stallhofen zu besichtigen.
Anmeldungen sind bei Franz Feirer (03142) 2203814 telefonisch möglich.
Der Eintritt beträgt drei Euro pro Person. Bei kleinen Gruppen ist eine Mindesteintrittsgebühr von 15 Euro zu bezahlen.









