Ein Satzburgen-Bauer schoss den Vogel ab
Der Sprachakrobat Paul Pizzera (22), ein gebürtiger Weststeirer, gewann kürzlich den Grazer Kleinkunstvogel - gleich in doppelter Ausführung.

Foto © EderDer Sandkiste längst entwachsen. Der gebürtige Weststeirer Paul Pizzera mischt die heimische Kabarettszene gehörig auf
I n der österreichischen Poetry-Slam-Szene kennt man Sie schon länger, jetzt haben Sie den Kleinkunstvogel, den Grazer Kleinkunstwettbewerb, gewonnen - und zwar sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis. Steigt Ihnen der Erfolg schon zu Kopf? PAUL PIZZERA: Ich habe viele Selbstzweifel und hinterfrage das, was ich tue, relativ häufig. Ich bin verdammt ehrgeizig und will mich ständig steigern. Deshalb glaube ich nicht, dass ich abheben könnte. Der Erfolg ist ja auch nicht so groß gewesen, als dass die Gefahr des Abhebens überhaupt bestünde.
Fühlen Sie sich in Graz mittlerweile wie eine kleine Berühmtheit? PIZZERA: Es passiert schon, dass ich auf der Straße angeredet werde und die Leute sich für einen schönen Abend bedanken. Worauf ich ein bisschen stolz bin. Aber das nimmt nicht überhand. Also ich muss nicht mit einem gepanzerten Wagen Zigaretten holen gehen.
Wie sind Sie eigentlich beim Poetry Slam, also dem Wettlesen und -performen gelandet?
PIZZERA: Durch Zufall. Ein Freund hat mir vom Poetry Slam erzählt, dann habe ich spontan zwei Fünf-Minuten-Geschichten geschrieben und gleich beim ersten Auftritt gewonnen.
Sind Sie als erfahrener Künstler überhaupt noch nervös?
PIZZERA: Und wie! Nervosität ist bei mir ein großer Schwachpunkt. Aber auch eine große Stärke. Dieses körpereigene Kokaingemisch, ein Wahnsinn! Ich bin immer so auf Adrenalin, ich kann nicht stillstehen und nichts. Und ich habe auch ein bisschen ADHS (Anm.: Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung), was aber, glaube ich, kein Nachteil auf der Bühne ist.
Sie scherzen gerne über das Landleben. Zitat: "Ein Großteil aller ländlichen Beziehungspartner schätzt sich glücklich, wenn sie NUR gemeinsame Großeltern haben." Warum ist die Provinz Ihr Lieblingsopfer?
PIZZERA: Die unmittelbare Umgebung ist für mich und ich denke auch für das Publikum das Spannendste. Ich will die Leute unterhalten, sie zum Lachen bringen. Die Menschen sollen merken: Eigentlich sind wir alle gleich gestrickt.
Was ist so eine Sache, die uns alle verbindet?
PIZZERA: Egal, wie zentrumsnah man in Graz geboren wurde, Verwandte am Land hat jeder und jeder ist irgendwann einmal auf einer Hochzeit in Sinabelkirchen oder Nestelbach. Da gibt es dann den berühmten Gourmet-Hattrick aus Frittatensuppe, Backhendl und Eisbecher.
Das hört sich sehr autobiografisch an.
PIZZERA: Erschreckend viel davon ist es auch. Vor allem beim Kabarett. Das liegt daran, dass ich möglichst authentisch sein will.
Woher wissen Sie, worüber die Leute lachen?
PIZZERA: Entweder muss eine Sache sehr skurril oder sehr wahr sein. Meine Faustregel: Wenn ich mich beim Schreiben abhaue, dann lachen auch die Leute.
Wird der Weg für Sie jetzt öfter auf die Kabarettbühne führen?
PIZZERA: Musikkabarett zu machen, ist das langfristige Ziel. Beim Kleinkunstvogel habe ich das probiert. Ich habe mich bemüht, viel Zeit und Herz investiert und es hat mich gefreut, dass sowohl Jury als auch das Publikum mich dafür belohnt haben.
Was mögen Sie am Kabarett?
PIZZERA: Ich habe mehr Zeit, Scherze einzuleiten und aufs Publikum einzugehen.
Träumen Sie vom Hauptberuf Kabarettist?
PIZZERA: Auf jeden Fall! Da gehört aber sehr viel Glück dazu. Mit viel Arbeit, viel Energie und viel Herzblut ist es aber möglich. Ich red's mir halt ein. INTERVIEW: SABRINA LUTTENBERGER
Features
FAKTEN
Paul Pizzera wurde 1988 in Deutschlandsberg geboren. Er wuchs in Stallhofen auf, besuchte in Graz das Gymnasium und studiert nun Germanistik.
Er ist seit 2008 fixer Bestandteil der steirischen Poetry-Slam-Szene. Heuer gewann er den Kleinkunstwettbewerb.
Auftritte: 20. 5. Minoriten-Saal Graz, 24. 6. Straden.








