Genau am Jahrestag krachte es wieder
In Södingberg ging genau ein Jahr nach dem extremen Hagel wieder ein gewaltiges Unwetter nieder. Schäden auch in Kainach und Salla. Ganz arg erwischte es diesmal das Lavanttal.
Viele Bewohner aus Södingberg glaubten gestern, in einem "schlechten Film" zu sein. Genau auf den Tag genau ein Jahr nach der extremen Hagelkatastrophe und fast um die gleiche Uhrzeit öffnete der Himmel wieder alle Schleusen und Starkregen und Hagel prasselten zu Boden. Während im Vorjahr hunderte Dächer wie von Maschinengewehrsalven durchlöchert worden waren - wir berichteten ausführlich -, fielen die Hagelschäden gestern vergleichsweise geringer aus.
"Aber Pflanzen und Blumen wurden auf einem Abschnitt von rund einem Kilometer total zerstört. Wir waren die halbe Nacht unterwegs und sind noch immer im Einsatz, um alle Schäden zu erheben", sagte der Södingberger Bürgermeister Peter Kollegger gestern im Laufe des Vormittags. Nicht nur Pflanzen wurden in Mitleidenschaft gezogen, es kam zu einigen Hangrutschungen, zahlreiche Keller und Räume wurden überflutet und Wege und Straßen ausgeschwemmt. "Die Höhe des Schadens ist noch nicht abschätzbar, die Sanierung der Straßen wird rund 150.000 Euro betragen." Heftige Kritik am Södingberger Bürgermeister kommt von der Landwirtin Stefanie Benedikt. "Seit Jahren wird nichts getan. Immer wieder ist der Teich voll mit dem ganzen Klumpert und meine Forellen- und Saiblings-Setzlinge sind kaputt. Ich bin nervlich fertig", meint die Frau, nachdem gestern wieder Geröll in ihren Fischteich geschwappt ist. "Der Bürgermeister hat mir zugesagt, das wird gemacht und nichts ist geschehen", ärgert sich Benedikt. Dazu Kollegger: "Ich habe die Ufersicherung am Fischteich versprochen. Wir haben Kostenvoranschläge eingeholt und vorige Woche alles angezeichnet. Es ist alles am Weg, ich setze aber voraus, dass die Grundeigentümer auch die Querungen zum Bach ungehindert zulassen", so Kollegger.
Nicht nur über Södingberg öffneten sich gestern die Schleusen, die gefürchtete "Wetterküche" des Gleinalmgebietes bescherte auch den Mitgliedern der Feuerwehr Kainach einen Einsatz.
"Wir erhielten praktisch zeitgleich die Nachricht, dass mehrere Keller überflutet sind", berichtet Wolfgang Scherz, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kainach, "auch der sonst kleine Bach aus dem Millionengraben im Gemeindegebiet Kohlschwarz trat aus den Ufern". Wasser drang in den Keller eines Kaufhauses ein, der Wasserspiegel senkte sich jedoch rasch wieder, sodass sich der Schaden in Grenzen hielt.
Glück im Unglück
"Wir hatten noch Glück im Unglück" meint der Feuerwehrkommandant, "die Bäche waren schon ziemlich voll, lange hätte der Wolkenbruch nicht mehr anhalten dürfen, dann hätte es größere Überschwemmungen gegeben. So aber sind wir noch einmal relativ glimpflich davongekommen".
Leicht beschädigt wurde im Ortsbereich von Kainach ein Wohnhaus, das durch einen Murenabgang in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Überschwemmungs- und Murengefahr ist laut Ansicht von Experten dort besonders groß, wo im Jahr 2008 der Sturm Paula Schadflächen hinterlassen hat. Die Schutzfunktion des Waldes ist an diesen Stellen außer Kraft gesetzt: Die Wassermassen rinnen einfach ab, anstatt aufgesaugt zu werden. Erwischt hat es diesmal auch die Berggemeinde Salla: Dort wurde der kleine Sportplatz arg beschädigt.
Gegen 22 Uhr zog die Gewitterfront mit Starkregen, Hagel und Sturm von der Pack kommend über den Norden des Lavanttales weiter. Enorme Wassermassen binnen kürzester Zeit führten zu einem Großeinsatz der Feuerwehren des Oberen und Mittleren Lavanttales. Andreas Knauder, Kommandant der Feuerwehr St. Gertraud, war mit 300 Mann die ganze Nacht im Einsatz und war mit seinen Leuten sogar kurzfristig von den Wassermassen eingeschlossen: "Es bestand höchste Lebensgefahr."









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