Sein ganzer Stolz ist das Kreuz zu tragen
Der Södinger Landwirt Josef Schwar trägt heute bereits zum 45. Mal das Kreuz beim Maschta-Singen, einem der ältesten heimischen Osterbräuche.

Foto ©
Rund 20 Kilogramm schwer ist das geschmückte Kreuz, das Josef Schwar aus Söding bereits seit 45 Jahren am Ostersonntag in die Pfarrkirche von Mooskirchen trägt. Viele Menschen folgen ihm dabei, die singend und betend einen rund zwei Kilometer langen Marsch durch den Ort bis zur Kirche auf sich nehmen.
Vom Vater. Maschta-Singen heißt der Brauch, der nur in den Pfarren Mooskirchen und Hitzendorf gepflegt wird und einer der ältesten religiösen Bräuche ist. "Das Tragen des Maschta-Kreuzes habe ich von meinem Vater übernommen", so der Landwirt, für den Ostern ohne Maschta-Singen nicht vorstellbar wäre. Das Kreuz steht übers Jahr in einer Södinger Kapelle und wird eigens für die Osterprozession aufgeputzt. Traditionell wird das Kreuz mit zehn Kerzen geschmückt, die ursprünglich als Opfergabe gedacht gewesen sein dürften.
Sechs Orte. "Die Männer singen mittelalterliche Gesänge. Dahinter folgen die Frauen, die Rosenkränze beten", erklärt Schwar den Ablauf der Prozession. Und alle sechs Ortschaften, in denen dieser Brauch gepflegt wird, haben eigene Maschta-Lieder, verrät der Weststeirer.
Pest. Die Tradition des Maschta-Singens geht bereits auf das Jahr 1348 zurück, als die Beulenpest in der Weststeiermark besonders wütete. Der Ort Söding war damals außergewöhnlich stark betroffen, beinahe die gesamte Bevölkerung wurde von der Seuche dahingerafft. Seit damals, so ist es überliefert, zieht eine Maschta-Prozession am Osterwochenende durch den Ort in die Kirche, um so die Bevölkerung vor Krankheit und Tod zu schützen. Woher der Name des Maschta-Singens kommt, ist nicht genau überliefert. "Wahrscheinlich liegt der Ursprung im Wort Marter und ist durch den weststeirischen Dialekt zu Maschta geworden", so Schwar.
Weitermachen. "Meine Verwandten und Bekannten sind stolz auf mich, weil ich das Maschta-Kreuz schon so lange trage", freut sich der Landwirt. Ans Aufhören denkt er keinesfalls: "Solange es meine Gesundheit zulässt, möchte ich unbedingt weitermachen." Neben dem 45-Jahre-Jubiläum als Maschta-Kreuzträger hatte der Landwirt heuer schon einen anderen Grund zu feiern, denn Schwar wurde am 18. Jänner 65 Jahre alt.
Heute muss der Landwirt, der eine Stiermast betreibt, bereits um fünf Uhr früh aufstehen. Denn noch bevor er das Maschta-Kreuz trägt, muss er die Tiere im Stall versorgen. "Insgesamt haben wir neun Stück Vieh im Stall, früher waren es vierzig Tiere", erinnert er sich. Als so genanntes Heimkehrerkind ist er auch aktiv beim Kameradschaftsbund tätig. "Bei der Feuerwehr in Söding bin ich auch und das schon seit dem Jahr 1962", offenbart der Weststeirer eine weitere Leidenschaft.
Features
Zur Person
Josef Schwar wurde am 18. Jänner 1943 geboren und lebt gemeinsam mit seiner Frau Aloisia im weststeirischen Söding. Bereits seit 1963 trägt er das Maschta-Kreuz für Kleinsöding. Dieser Brauch wird nur in den Pfarren Mooskirchen und Hitzendorf mit den Ortschaften Großsöding, Kleinsöding, Stögersdorf und Fluttendorf sowie den Gemeinden Hitzendorf und Attendorf gepflegt.









