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Zuletzt aktualisiert: 13.11.2010 um 22:17 UhrKommentare

Rund um die Welt und noch ein Stück weiter

Seit 1992 führt er Aufzeichnungen über seine Wanderungen: Ein 88-jähriger Köflacher ist nahezu täglich auf den Beinen, um Frischluft zu tanken und dabei den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Foto © AP/Sujet

In zwei Kalenderbüchern hat der Köflacher Roland Groß aufgeschrieben, wann er wohin gewandert ist. Deshalb kann er problemlos nachrechnen, wie viele Kilometer er in 18 Jahren zurückgelegt hat, nämlich mehr als 57.800: "Also einmal um die ganze Welt und noch ein Stückerl darüber hinaus", meint Groß zum Vergleich mit der Äquatorlänge von 40.075 Kilometern.

Mit dem regelmäßigen Wandern hat der Köflacher begonnen, weil er als Bergarbeiter und dreifacher Vater nicht haufenweise Geld für ein Hobby ausgeben konnte. Aber erst seit 1992 führt er Buch über seine Ausflüge. An einem Tag marschiert er sechs, am anderen 15, am nächsten 30 Kilometer oder mehr - je nach Laune und Wanderlust.

Die Wege führen Groß zum Beispiel nach Piber, Hirschegg, Pack oder auf das Gaberl: "Ich war 350 Mal beim Alten Almhaus", so der Pensionist. Für seine Wanderungen wählt er Pfade abseits stark befahrener Straßen. "Ich hab so meine eigenen Schleichwege", verrät er.

Damit er weiß, wie lang eine Strecke ist, hat der Köflacher sie vor Beginn seiner Aufzeichnungen mit dem Motorrad zurückgelegt. Und dann ging's los, anfangs mit einem Stock zur Unterstützung, seit das "Walken" in Mode gekommen ist, mit zwei.

Bergmarathon

Gutes Schuhwerk ist bei einem derartigen Steckenpferd ein Muss. "Vor zwei Jahren habe ich neue Wanderschuhe gebraucht. Kaum bin ich damit unterwegs gewesen, begannen meine Füße zu brennen." Eine Erklärung für das Leiden ließ sich nicht finden, zwei weitere neue Paare konnten auch keine Abhilfe schaffen. "Ich war zuerst beim Hautarzt, weil ich gedacht habe, ich vertrage irgendetwas nicht, dann beim Orthopäden und beim Nervenarzt, schließlich noch bei einem Facharzt in Graz. Keiner konnte mir helfen."

Auf das Wandern wollte der Pensionist aber nicht verzichten: "Deshalb habe ich hin und her überlegt. Dann ist mir die Idee gekommen, meine Füße zu vermessen." Das Ergebnis: Die Schuhe waren zu schmal und "ich habe mir ein Gerät gebastelt, mit dem ich sie dehnen kann".

Im Alter von 83 und 85 Jahren hat Groß den Kainacher Bergmarathon absolviert. Im nächsten Jahr will er die 42 Kilometer wieder schaffen. "Ich fühle mich gut, brauche keinerlei Medikamente. Für mich ist das Wandern die beste Medizin, denn alle Organe werden mit Sauerstoff angereichert."

Dass manche Freunde meinen, er sei süchtig nach dem Marschieren, stört den Köflacher, der während des Gehens "gern ein bisserl philosophiert", überhaupt nicht: "Es ist eine positive Sucht", meint er.

LYDIA LASUTSCHENKO

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