Kuriose Ortsnamen: Ein Schelm, wer dabei an Albernes denkt
Kein "Osterwitz": Die Kleine Zeitung präsentiert Ihnen die kuriosesten Ortsnamen Kärntens. So ist der Fasching in Feldkirchen daheim, Albern in St. Veit. Der Schwarzwald, die Türkei oder Linz sind ebenfalls in Kärnten zu finden.

Foto © EmhoferDieser Ortsname geht auf ein schnell hervorschießendes Gewässer zurück
Türkei und Kanaren liegen in Kärnten. Und in Osttirol gibt's ein Dorf namens Dorf. Ein Faschingsscherz? Keineswegs. Wir präsentieren Kuriositäten der Kärntner und Osttiroler Landkarte.
International.
Linz liegt in Kärnten, in der Nähe von Himmelberg. Einen Ort namens Schwarzwald gibt es bei Radenthein, Kanaren bei Ruden. Und das Tal Türkei mit dem Türkeiweg findet man in der Nähe von Egg am Faaker See. Der Name soll an die Türkenbelagerung in diesem Gebiet erinnern. Und Klein Venedig bei Grafenstein soll tatsächlich an die Lagunenstadt erinnern. "Das Gebiet war einst sumpfig. In der Zeit des Ersten Weltkrieges wurde es trockengelegt. Daraufhin hat man sich diesen Namen ausgedacht", zitiert ein Gemeindemitarbeiter aus der Chronik.
Narrisch.
"Wir könnten eine Lachmauer errichten und zur Pilgerstätte für Narren aus aller Welt werden", sagt Peter Kowal vom Feldkirchner Faschingsklub. Warum? Der Ort Fasching liegt nämlich in der Stadtgemeinde. Weitere humorvolle Namen gibt es in Launsdorf (Osterwitz), Dellach im Gailtal (Stollwitz) oder Guttaring (Schelmberg). Nichts Albernes an sich haben die Orte namens Albern, die meisten dürften sich vom alten Wort für Alpen/Berghänge ableiten. "Das könnte auch bei unserem Albern der Fall sein, da es recht hoch gelegen ist", sagt der Deutsch-Griffener Bürgermeister Hans Prodinger.
Tierisch.
Wenn es um Ortsnamen geht, mögen es die Kärntner und Osttiroler auch tierisch. So gibt es Froschendorf bei Grafenstein, Eselsdorf und Lausing bei Wolfsberg, Lamm bei St. Andrä, Kühegg in Osttirol, Kühweg bei Nötsch, Ochsendorf bei Brückl und viele mehr. Die meisten solcher Namen gehen tatsächlich auf Tiere zurück, von denen es in diesem Gebiet viele gab. Hundsdorf hingegen, etwa bei St. Paul oder im Rosental, stammt vom Personennamen Hund ab, was "treuer Begleiter" bedeutete. Würmlach im Gailtal wiederum bedeutet, so beschrieb es Eberhard Kranzmayer in seinem Ortsnamenbuch von Kärnten: Ein Bach, der sich wie ein Wurm krümmt. Nur Sittich bei Feldkirchen hat nichts mit einem Vogel zu tun: Der Name stammt von einem slowenischen Personennamen ab.
Kulinarisch.
Die meisten kulinarisch-klingenden Ortsnamen haben nichts mit Essen zu tun. In Osttirol zum Beispiel "schwimmen" Sulzen und Tassen im Bach (Tassenbach bei Strassen und Sulzenbach bei Kartitsch). Namen mit "Sulz" gehen meist auf Salzquellen oder morastiges Gebiet zurück. Und auch in Klachl bei Feldkirchen gibt es nicht besonders oft Klachlsuppe, sondern vermutlich dürfte eine Flur, die wie ein Klachl (Glöckenschlegel) geformt war, Namensgeber gewesen sein. Um die Wurst geht's in Globasnitz: Der Name stammt laut Namensforscher Heinz-Dieter Pohl vom slowenischen Wort für Wurst, klobasa, ab. Und zwar bedeutet Globasnitz: Bach, der sich wie eine Wurst krümmt. Weil man das Augenmerk nicht zu sehr auf die Wurst lenken wollte, behielt man aber das g anstatt des Anfangsbuchstabens k bei.
Wörtlich.
Manche Namensgeber von Orten haben es auch wörtlich genommen. Wenn es vor Ort viele Eichen oder Buchen gab, nannte man die Orte zum Beispiel Eichholz und Buchholz (Treffen am Ossiacher See). Andere Orte heißen einfach Sand (Wernberg), Heft (Hüttenberg), Korb (Völkermarkt) oder Radl (Trebesing). Und die Osttiroler nennen das Kind beim Namen: dort heißt das Dorf Dorf, zumindest in der Gemeinde Thurn.
Zum Fürchten.
Gruselig klingen Ortsnamen wie Bösenlacken bei Feldkirchen, Bösendorf bei Diex, Ruhstatt bei Völkermarkt oder Schreckendorf bei St. Kanzian. Deren Namenshintergrund ist meist nicht schrecklich: Die Bedeutung etwa von Schreckendorf ist laut Pohl zwar nicht vollständig geklärt, es ist aber gleichbedeutend mit dem slowenischen straa vas oder wes, was mundartlich zu stra a ves (Wachtdorf) umgedeutet wurde.
Zum Schießen.
Für ihren Ortsnamen Gschieß "schämten" sich die Baldramsdorfer so, dass sie den Ort im Jahr 1956 in Rosenheim (nach einem Schloss) umbenannten, die Katastralgemeinde heißt noch heute Gschieß. Dabei stammt Gschieß vom mittelhochdeutschen Wort geschiez (Giebelseite eines Gebäudes) ab. Nach wie vor seinen Namen hat hingegen der Ort Schaßbach bei St. Andrä. Dass der Name auf einen Bach zurückgeht, der furzende Laute von sich gibt, sei laut Pohl ein Gerücht. Stattdessen leitet sich Schaß von schießen ab: Gemeint ist ein schnell hervorschießender Bach.









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