Beben in Schwarzweiß nach einer Zitterpartie
Es war ein fast lupenreiner schwarz-weißer Sonntag, der sich breitmachte im Kärntnerland, das zumindest im Abschnitt von der Grenze bis Klagenfurt für einen Fußballtag lang mehr oder weniger in steirische Hände gefallen war.
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Schon die Natur betrieb Schwarzweiß-Malerei, denn hinter einem dunklen, wolkenverhangenen Himmel reckten sich von frischem Schnee überzogene Berge in die Höhe, als die Sturm-Karawane über die Pack ins Nachbarland zog. Die über 200 Busse beschrieben eine endlose Kolonne, nur zu stoppen - das aber ungewöhnlich oft - von dringenden Bedürfnissen der Insassen, die sich auch beim Bierkonsum schon am späten Vormittag nicht gerade in Zurückhaltung übten. Die Chauffeure hatten ihre Lagerbestände rechtzeitig aufgefüllt.
Auch Stunden später gab es keine Hemmschwellen, schon gar nicht im Stadion, in dem sich zur Halbzeit dichter Rauch ausdehnte. Der bis in die zweite Spielhälfte reichende offiziell natürlich verbotene Pausenfüller der Feuerwerkskörper blieb lange Zeit der einzige Höhepunkt in einem an spielerischen Glanzlichtern ausgesprochen armen Match. 28.000 Zuschauer sorgten für ein praktisch ausverkauftes Klagenfurter Stadion, mehr als 20.000 waren locker dem Sturm-Lager zuzurechnen. Ungeachtet der aus allen Bezirken angereisten steirischen Übermacht auf den Rängen dominierten aber die Wiener Neustädter die ersten 15 Minuten auf dem Rasen, was der Stimmgewalt der Grazer Fans jedoch keinen Abbruch tat.
Belastungsprobe
Irgendwann, das war spürbar, würde der Elan der nur von einer kleinen Fangemeinde unterstützten Magna-Elf unter dem massiven öffentlichen Druck zusammenbrechen. Das Spiel bedurfte der lebenserhaltenden Maßnahmen der Fans und langsam, fast behäbig, fing der Heimvorteil zu greifen an. Das merkte auch Trainer Franco Foda, der instinktiv im günstigsten Moment die Joker Muratovic und Haas zog. Als sie stachen, gab es auf den Rängen kein Halten mehr. Die in der nächsten regulären Bundesliga-Saison von einem Besuchernotstand bedrohte Klagenfurter Hypo Group Arena wurde beim 1:0 einer seismologisch bedenklichen Belastungsprobe unterzogen, die mit dem Schlusspfiff noch einmal einen extremen Ausschlag erfuhr.
Dort, wo monatelang Tristesse herrschte, hielt die pure Fußballfreude Einzug. Es war ein Lehrbeispiel von Fankultur, die bei allem Überschwang die Grenzen der Fairness nicht überschritt. Sturm hat im benachbarten "Ausland" trotz spielerischer Bescheidenheit einen großen Triumph gefeiert. In erster Linie war es ein Sieg des Fußballvolks.










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