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Zuletzt aktualisiert: 23.04.2008 um 17:12 Uhr

Flüchtling war 36 Stunden in Dieseltank gefangen

Zuerst im Tank, dann in einer engen Box: Nach sechseinhalb Tagen Fahrt wurde ein Kurde ohne Geld und Papiere in Mooskirchen ausgesetzt.

Ganze 36 Stunden in einem leeren Dieseltank, die restlichen Tage in einem präparierten Versteck unter dem Sattelaufleger eines Schwertransporters: Der Kurde Hassan R. (22) aus dem Irak nahm ungeheure Strapazen in Kauf, um nach Österreich zu gelangen. Auf einem Autobahnparkplatz bei Mooskirchen wurde er vom Schlepper ausgesetzt - ohne Geld und ohne Reisepass.

Diesel. Seine Kleider waren schmutzig und haben nach Diesel gestunken, als Hassan R. Dienstagabend bei der Tankstelle auf dem Autobahnrastplatz Kaiserwald bei Graz auftauchte. Der Kurde war auf dem Pannenstreifen der A 2 vom Mooskirchen zum Rastplatz marschiert. "Polizei" rief er dem Tankwart zu, als er dort eintraf. Eine Streife war in unmittelbarer Nähe und führte Kontrollen durch. Wenig später kümmerten sich die Polizisten der Autobahnpolizeiinspektion Graz-West um den Fremden.

Einvernahme. Bei der stundenlangen Einvernahme auf der Dienststelle erfuhren die Polizisten nach und nach, was geschehen war. "Unfassbar, was dieser Mensch durchgemacht hat", so die Ermittler. Sein Vater und sein Bruder seien während des Krieges 1991 ermordet worden, gab der Analphabet zu Protokoll. Ein zweiter Bruder flüchtete nach Europa. Er selbst habe sich all die Jahre verstecken müssen. Er habe ständig Angst gehabt, getötet zu werden. Seine Mutter nahm schließlich einen Kredit auf, um ihrem Sohn die illegale Reise nach Österreich zu finanzieren. 5000 US-Dollar kostete die Fahrt ins Ungewisse, die in der irakischen Grenzstadt Zacho ihren Ausgang nahm. Ein türkischer Fernfahrer, offensichtlich ein erfahrener und organisierter Menschenschmuggler, nahm dem jungen Mann schon vor Beginn der Reise den Pass und 2500 US-Dollar ab. Dann musste sich Hassan in einen leeren Reservetank legen. 36 Stunden verbrachte er darin. So lange dauerte nämlich die Reise durch die Türkei.

Gefangen. Dann musste der Kurde in eine präparierte Box, die unterhalb des Sattelauflegers montiert war. Fast fünf Tage lag er in diesem nur 180 Zentimeter langen, einen Meter breiten und 50 Zentimeter hohen Käfig. Kein einziges Mal durfte er aussteigen - seine Notdurft musste er in der Kiste verrichten. Als Nahrung bekam er nur Kekse und Wasser. Auf dem Autobahnparkplatz in Mooskirchen musste der Betroffene dem türkischen Lkw-Lenker die restlichen 2500 US-Dollar geben. Erst nachdem er bezahlt hatte, öffnete der Schlepper das Versteck. Er stieß Hassan R. in die Wiese und fuhr davon.

Bedankt. Bei den Polizisten bedankte sich der Kurde. "So gut wurde ich in meiner Heimat noch nie behandelt", ließ er ihnen von Dolmetscher ausrichten. Nachdem Hassan R. um Asyl angesucht hat, wurde er gestern ins Flüchtlingslager nach Traiskirchen gebracht.

HANS BREITEGGER

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