Beim Pendeln den Kopf frei kriegen
Heraus aus dem Raddress und hinein in den Anzug: Zwischen Wohnhaus und Arbeitsplatz liegen 32,8 Kilometer.

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LYDIA LASUTSCHENKO
Tausende pendeln werktäglich nach Graz aus: Sie legen die Strecke zwischen ihrem Wohnort und der Landeshauptstadt jedoch im Zug oder Auto zurück. Das tut auch der 45-jährige Ligister Horst Schwarzl - allerdings nur im tiefsten Winter oder bei Schlechtwetter. Er radelt nämlich lieber zur Arbeit.
Schwarzl, von Beruf gerichtlich beeideter Sachverständige für Immobilienbewertung. Einst Grazer, ist er vor 14 Jahren nach Ligist übersiedelt. Weil er nicht auf die gewohnte sportliche Betätigung verzichten wollte, kam er auf die Idee, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Der Gedankengang war folgender: "Ich habe einen Rucksack und ein Rennrad, das muss genügen."
Anfangs war die Steinbergstraße die bevorzugte Route, jetzt ist es die Packer Bundesstraße, die über Tobelbad nach Graz führt. "Hin bin ich eine Viertelstunde länger unterwegs als mit dem Auto", so Schwarzl. Retour brauche er um 30 Minuten mehr, denn es geht öfter bergauf. Die Sportkleidung wird in der Firma gegen einen Anzug getauscht, "ich kann dort auch duschen". Was der Sachverständige sonst noch braucht, hat er im Rucksack.
Ausblick
Auf der 32,8 Kilometer langen Strecke finden sich ein Lieblingsstück und das Gegenteil davon. In der Früh sei der Ausblick vom Dietenberg etwas Besonderes und wirke sich positiv auf die Stimmung aus. Abends kann es jedoch schon vorkommen, dass Schwarzl auf den letzten 3,5 Kilometern streikt und die Ehefrau anruft, damit sie ihn nach getaner Arbeit - samt Rad - den Hügel hinauf chauffiert.
Negative Erlebnisse während seiner Fahrten seien selten, so der 45-Jährige: "Einmal hat mich bei Hitzendorf ein Auto gestreift. Dieses Erlebnis habe ich dann lang nicht aus dem Kopf gekriegt."
Was der Ligister an seinen Routine-Touren schätzt, ist eigenartigerweise die Monotonie: "Das regelmäßige Treten in die Pedale macht den Kopf frei, Probleme lassen sich leichter lösen", meint Schwarzl bezüglich der großen Zahl zurückgelegter Rad-Kilometer.
Ob er in das Auto oder auf das Rad steigt, entscheidet der Sachverständige spontan nach einem morgendlichen Blick aus dem Fenster. Passt das Wetter, weht ihm auf dem Weg zur Arbeit viel frische Luft um die Ohren. "Anfangs bin ich auch im Winter geradelt, das ist mir dann aber doch zu viel geworden", so der 45-Jährige, der in der kalten Jahreszeit gern auf Schiern unterwegs ist - bevorzugt auf der Hebalm.









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