Eine Säge für den Adler
Wenn ein Ligister die Kettensäge startet, dann schneidet er damit nicht Brennholz, sondern schnitzt meterhohe Tierfiguren: Eulen, Bären oder Adler entstehen auf diese Weise.

Foto © LYDIA LASUTSCHENKODer Ligister Hartmut Seme
Kaum läutet man an der Gartentür, schaut man schon in drei Paar blitzblaue Augen: Denn die Schlittenhunde von Hartmut Seme begrüßen Besucher, noch ehe das Herrl das Tor öffnen kann. Inu, Espazo und Kenny haben jedoch nichts gegen Gäste, die sich im Garten umschauen wollen: Dort kann man sehen, was der Ligister für ein "tierisches" Hobby hat. Ein Bär, Eulen und ein Adler - alle Figuren sind mit der Kettensäge geschnitzt worden - weisen unweigerlich auf das Steckenpferd des Pensionisten hin.
Leidenschaft. Bis zu vier Meter groß sind Semes Schnitzereien, dabei hat die Leidenschaft für Arbeiten aus Holz ganz klein angefangen. "Es dürfte so 25 Jahre her sein. Aus Langeweile habe ich mit einem gewöhnlichen Taschenmesser aus einem Stück Schaufelstiel eine Krippenfigur gemacht", so Seme. Mit der Zeit stiegen die Ansprüche an Material und Werkzeug: "Ich habe nicht mehr hartes, sondern nur noch weiches Holz verwendet und ein Schnitzmesser gekauft." Dann folgte die Kettensäge. Und Bücher wurden angeschafft. Weil sich der Ligister das, was er für seine Steckenpferde braucht, selbst beigebracht hat.
Weitere Vorliebe. Zur Schnitzerei gesellte sich nämlich noch eine weitere Vorliebe: Seme ist fasziniert von der indianischen Kultur. "Bei einer Ausstellung habe ich perlenbestickte Kleidung gesehen und mir gedacht: So etwas möchte ich auch haben." Die Anleitung, wie man mit Glasperlen hantiert, fand der Ligister wieder in einem Buch. "Ich hab's ganz einfach so lang probiert, bis es funktioniert hat."
Handarbeit. Was ihm sonst noch an Indianern gefällt, stellt Seme ebenfalls selbst her. Deshalb ist seine Werkstatt ein Dorado für kleine und große Freunde mächtiger Häuptlinge: Armbänder, Ringe, Messertaschen oder Traumfänger sind unter anderem in Vitrinen zu sehen oder hängen an den Wänden.
Mit Liebe. "Mir ist wichtig, dass in jedem Stück die Liebe zu sehen ist, mit der ich es anfertige", erklärt der Pensionist. Damit das so bleibt, muss die eine oder andere Schnitzarbeit warten, bis es Seme "wirklich Freude macht, daran zu arbeiten".








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