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Zuletzt aktualisiert: 23.06.2012 um 20:16 UhrKommentare

Hereinspaziert, hereinspaziert!

In den kommenden Wochen gastiert der Cirkus Frankello in der Weststeiermark. Die Kleine Zeitung besuchte Zirkusdirektor Edmund Frank außerhalb der Manege.

Edmund Frank im Wohnwagen-Wohnzimmer

Foto © Heike KruschEdmund Frank im Wohnwagen-Wohnzimmer

Edmund Frank sitzt im Ruderleiberl mit Kaffee und Zigarette im Wohnzimmer, während seine Frau Heidi vor dem Wohnwagen Kartoffeln schält. Leise quietscht die Urenkelin im Kinderwagen, während Franks Tochter hektisch telefoniert. "Wie? Wir müssen das Plakat entfernen? Wo? In Kroppendorf - ah Krottendorf."

Das echte Zirkusleben

Kein Glitzer, keine Kostüme, keine Show - das ist das richtige Leben der Zirkusfamilie, die bereits seit 200 Jahren und mit Edmund Frank als Direktor in neunter Generation einen Zirkus betreibt. "So gesehen sind wird das älteste deutsche Großfamilienunternehmen auf Rädern", lacht er. Hustet stark. Lacht wieder. Obwohl ihm in letzter Zeit nicht immer nach Lachen zumute ist. Der Zirkus habe sich verändert, sagt er und schaut sehnsuchtsvoll auf Schwarzweißfotos, die auf einer Kommode im acht Quadratmeter großen Wohnzimmer in seinem Wohnwagen stehen.

Hier ist der Mittelpunkt des Frankschen Familienlebens. Hier wird für sieben Personen gekocht, gemeinsam gegessen. Und hier (allerdings in einem separaten Raum) schlafen Edmund und Heidi im ausziehbaren Bett mit einer Muttergottes am Nachtkästchen. "Es ist wichtig, dass man an etwas glauben kann", sagt Frank. Und wenn man ständig unherreise, brauche man irgendetwas Fixes. Nur kurz im Winter, und das nur manchmal ("vergangenes Jahr machten wir einen Weihnachtszirkus in Wels"), sind sie länger im deutschen Meissen, wo die Tiere untergestellt werden und wo sich ihre Postadresse befindet. Den Großteil des Jahres sind sie jedoch mit einem Tross von 23 Wohnwagen und 12 Lkw-Anhängern unterwegs. In immer neuen Städten, mit immer neuen Leuten. "Hier in Köflach hatten wir Glück", meint Frank. "Von der Gemeinde wurde ein Lichtkasten zur Verfügung gestellt, der Landwirt hat extra für uns die Wiese gemäht." Aber nicht immer seien die Menschen so freundlich.

Tierische Weggefährten

Leise hört man ein Bellen hinter dem Zelt, in dem einer der Akrobaten fünf Stunden vor der Aufführung noch einmal seine Jongliernummer probt. "Eigentlich sind unsere Hunde ganz leise", erklärt Frank. "Sie bellen nur, wenn ein anderer Hund vorbei kommt." Und auch die Kamele, die sich trotz Hitze entspannen, sind ruhig. Dass im Zirkus 40 Tiere betreut werden, macht den Alltag nicht einfacher. "Sie werden täglich trainiert, aber auch gewaschen und müssen natürlich gefüttert werden", sagt Frank. Zehn Zentner Heu brauche man täglich (ein Zentner entspricht 50 Kilogramm, Anm. d. Red.), fünf Zentner Stroh und zwei Zentner Kraftfutter. "Und die Tiere kommen immer zuerst", betont Frank. "Ist das Geld einmal knapp, wird bei den Menschen gespart, nicht bei den Tieren."

Es ist ein entbehrungsreiches Leben, weil Computerspiele und Fernsehen eine starke Konkurrenz geworden sind. Aber ein Zirkus könne eben nur durch seine Besucher existieren, rührt Frank bei der Tour durch den Circus Frankello noch die Werbetrommel: "Unsere Show zwischen Himmel und Erde dauert zwei Stunden", sagt er. In der Pause können die Tiere besucht werden, danach gibt es Kamelreiten - im Dunst von Zuckerwatte und Popcorn. Doch vier Stunden vor Beginn riecht es noch nach Erdäpfelsalat und Zigaretten. Der Zauber beginnt erst, wenn sich der Vorhang lüftet: "Hereinspaziert, hereinspaziert!"

HEIKE KRUSCH

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