Südländisches Flair für Diener
Peter Lotschak, begnadeter Regisseur auf bekannten europäischen Bühnen, inszeniert heuer zum wiederholten Malt für die Schlossfestspiele in Piber.
Ich habe mir das in Piber angeschaut und war fasziniert vom Arkadenhof und der Umgebung rund um das Lipizzanergestüt", verrät Regisseur Peter Lotschak, die Beweggründe, warum er sich im Vorjahr erstmals auf die Schlossfestspiele in Piber eingelassen hat. Und weil der Zauber noch immer wirkt und er beeindruckt von der Qualität des "Theater absolut" ist, wird der Vielbeschäftigte, der bereits auf vielen bekannten Bühnen Europas Opern oder Theaterstücke inszeniert hat, heuer zum Wiederholungstäter werden.
"Der Innenhof hat ein südländisches Flair wie ein Arkadenhof in Udine oder Pordenone. Daher habe ich vorgeschlagen, dass wir den ,Diener zweier Herren' von Carlo Goldoni machen. Eine Aufschrift Hotel Venezia, die Arkaden und die Bühne, wie ein kleiner Kampfplatz. Vielleicht wird zur Bühne noch eine kleine Brücke wie in Venedig führen", lässt Lotschak seiner Kreativität beim Gestalten des Bühnenbildes in Piber freien Lauf. Im Stück selbst geht es um den Diener Truffaldino, der nicht nur im Dienst der als Mann verkleideten Beatrice steht, sondern auch bei ihrem Geliebten Florindo, der beschuldigt wurde, ihren Bruder getötet zu haben, anheuert. Beide sind zufällig im Hotel Venezia abgestiegen und Truffaldino muss sich mit Lügen retten und behauptet sogar, dass jeweils der andere Herr tot sei.
"Es geht um das Wechselspiel von Lüge und Wahrheit. Im Diener geht es nicht so sehr um die Liebe, sondern um die Existenz, um die verzweifelte Suche nach Arbeit. Goldoni wollte zur Charakterkomödie kommen und eine sozialkritische Geschichte über eine patriarchalische Gesellschaft schreiben." Mit diesem Stück spreche man das Problem der Arbeitssuche an. "Truffaldino hat plötzlich zwei Herren und fragt sich: Geht das? Er ist im Zweifel, aber kein Gauner. Er sagt: Nur einmal wieder zu essen zu haben, nur einmal Arbeit zu haben und schon bist du wer", so Lotschak. Parallelen zur Jetztzeit und Mc Jobs werden wach.
Wortwitz
"Das Stück ist gut, einfach, aber klar konstruiert und überraschend durch den Wortwitz. Oft wird es nur als Kostümstück gespielt", bedauert Lotschak, der die Schauspieler in Kostüme der 20er- und 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts steckt, als die große Wirtschaftskrise herrschte.
Auch Lotschak wird fast zum Diener zweier Herren: Am 15. Juni feiert der gebürtige Grazer Premiere bei den Schlossfestspielen in Schwerin. "Ich inszeniere den Bajazzo in einer Weltpremiere erstmals in einem großen Zirkuszelt. Und zwar im Roncalli. Mit 60-Mann-Orchester und Chor." Am 18. Juni starten die Proben in Piber.
Features
FAKTEN
Premiere. Premiere für das Carlo Goldoni-Stück "Der Diener zweier Herren" ist am 26. Juni um 20 Uhr im Schlosshof in Piber.
Weitere Termine: 27., 28. Juli, 3., 4., 10., 11., 17., 18., 24., und 25. August, jeweils um 20 Uhr. Den Besuchern stehen diverse Kombiangebote zur Verfügung.
www.schlossfestspiele-piber.at








