Unterirdischen Raum entdeckt
Nicht einmal die Pfarrchronik weist auf einen Karner unter der Gradener Kirche hin. Auch in der Bevölkerung ist nichts davon bekannt gewesen.
Die von einer Kirchhofmauer und dem Friedhof umgebene Pfarrkirche von Graden ist dem Heiligen Oswald geweiht. Urkundliche Nennungen erfolgten in den Jahren 1400 und 1445. Und bis zum 17. Jahrhundert war Graden eine Filiale der Pfarre Köflach. Weil infolge der "unleidlichen Verhältnisse" im Pfarrhof Köflach dort kein Kaplan mehr in den Dienst treten wollte, "erlitt die Abhaltung des Gottesdienstes in Graden eine oftmalige Unterbrechung", so die Chronik. Die Besetzung mit einem im Ort wohnenden Priester scheiterte jedoch an der Geldfrage, denn man hatte für Wohnung und Unterhalt aufzukommen.
Unter dem 1991 verstorbenen Pfarrer Karl Lukesch wurde das Gotteshaus einer besonders gefühlvollen Außen- und Innenrestaurierung unterzogen. Dabei wurden im Kirchenschiff gotische Fresken freigelegt. Beim Anlegen eines Drainagegrabens um die Kirche stieß man auf eine Öffnung, die in einen Raum unter der Kirche führte. Dieser war bis zur Höhe des Einstieges mit Gebeinen gefüllt. Niemandem aus der Gradener Bevölkerung war dieser unterirdische Raum bekannt gewesen, auch in der Pfarrchronik findet sich kein Hinweis.
Zusammenhalt
Seit dem Tod von Lukesch ist die Pfarre Graden nicht ständig mit einem Priester besetzt, die Seelsorge obliegt derzeit Alt-Dechant Engelbert Buc aus Kainach. Das brachte es mit sich, dass Laien stark in das Pfarrleben eingebunden sind. "Wir mussten eine große Selbstständigkeit und einen guten Zusammenhalt entwickeln", berichtet Hertha Leitner, die ebenso wie Oskar Rieger Mitglied des Pfarrgemeinderates ist. Sie sieht sich als "Kommunikationsträgerin", gibt Nachricht an Buc, wenn sich etwas Besonderes tut, und verständigt die Mitarbeiter in der Pfarre.
Oskar Rieger übernimmt mit dem ehemaligen Pfarrgemeinderat Ferdinand Zwanzger anfallende Arbeiten, auch die Schneeräumung und das Mähen rund um die Kirche gehören dazu. Rieger erzählt lachend, dass sein Großvater den vom Grazer Künstler Jakob Gschiel im Jahre 1879 errichteten neugotischen Hochaltar als "Spitzkraxn" bezeichnet hat. Anscheinend fand die damals als "neumodisch" empfundene Renovierung nicht den Gefallen der Bevölkerung, welcher der in die Sebastianikapelle verbannte ehemalige Hochaltar vertrauter war.
Ferdinand Zwanzger fühlt sich mit der Pfarrkirche von Graden seit seiner Kindheit eng verbunden, und zwar "sowohl als Gebäude als auch als Gemeinschaft", wie der Pensionist betont. "Für mich ist das Gotteshaus eine vertraute Umgebung. Jeden Sonntag machte sich zumindest ein Elternteil mit uns Kindern auf den weiten Weg zum Hochamt in die Kirche. Und das, obwohl wir tagtäglich die eineinhalb Stunden Fußweg nach Graden zur Schule auf uns nehmen mussten."







